9.Juli 2007


Na frei-lich

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 lasset uns den Montag lobpreisen! Denn: Er ist mein freier Tag. Nun ist in diesem Land, nachdem es durch Adenauer von den Nazis befreit wurde, ja jeder Tag ein freier Tag, denn es heißt ja, es sei ein freies Land.

 

 Aber dann ist halt heute mein doppelt freier Tag. Denn außer mich hier mal kurz zu Wort zu melden, liegt in punkto Arbeit nix an. Nö. Kein Termin. Erst morgen wieder. Und übermorgen. Und so weiter.

 

 Aber heute? Nix. Vielleicht könnte ich ja den freien Tag sogar verdreifachen, indem ich den heutigen Tag zum Freier-Tag mache. Nö, nicht was ihr denkt, gezahlt wird dafür nicht. Ja, kassiert wohl… Aber mich mal auf (wohlgestalte) Freiers-Füße begeben – das wär’ doch was.

 

 Doch da steht natürlich sofort die Frage aller Fragen im Raum, die die Partnerinnen-Suche so schwer macht: Was anziehen?

 

 Magneten haben es da leicht, antworten „Metall!“, und schon hat sich der Lack.

 Unsereins aber, der um den Kopf rum vielleicht in die Rubrik „Geduldet“, vom Hals abwärts aber in die „Alabaster“ benamste eingeordnet werden sollte, muß diese Diskrepanz durchs richtige Baumwoll-Acryl-Konglomerat entschärfen.

 

 ´nen Hut auf die Birne? Nee, das lassen wir mal. Sieht so nach „Verdecken“ aus. Es sei denn, die Sonne ballert – dann trage ich Schutzmütze. Wie jeder vernünftige Skinhead. Ha! Geht das überhaupt? Vernünftige Skinheads?

 

 Doch laßt uns tiefer schauen. Die schweinern verschmitzten Äugelein – dioptrieniert. Die Nase! – Schnell weiter. Der Mund. – Herzallerliebst, den kriegen wir nicht besser hin.

 

 Der Hals – durch Hautstraffer noch so lala in Schuß.

 

 Weiter!

 

 Der durch täglich 220 Liegestütze gestählte Oberkörper, in den ein Brustkorb installiert wurde, der dem Begriff „Korb“ Hohn spricht, will eindrucksvoll, aber nicht zu exhibitionistisch präsentiert sein.

 

 Nur ´n Schlips? – Ja, das wär’s. Aber leider besitze ich solcherlei Kleidungsstück mitnichten.

 ´n Hemd? – Nö, das hemmt mich zu sehr, obwohl es sich gut vom Leibe fetzen lassen ließe…

 

 Barbusig und „Sieglinde“ diagonal auf die Vorderfront tätowiert? Gern! Aber wer ist, um Himmelswillen, Sieglinde?

 

 T-Shirt mit kurzen oder langen Armen, also wie immer? – Ja, das isses. Wobei ich betone: Entweder mit kurzen ODER mit langen Armen. Ein Durcheinander lasse ich da nicht zu. Schon gar nicht Dreiviertel-Arme. Das beschreibt höchstens meine finanzielle Situation. Dreiviertel arm.

 

 So. Nun aber, lang von euch ersehnt, zur Hüfte, zur Taille, zum Lendchen, zur gar zierlichen Einbuchtung des Leibes. Ja, genau dort, wo andere Bauch tragen, gibt’s bei mir fast nichts als Nabel.

 

 Nein, nicht überbetonen, diesen Fast-schon-Höhepunkt meines Leibes. Lieber ab und an, beinahe zufällig, das Leibchen an dieser Stelle etwas lüften, um gierigen Blicken Sekunden des Erhaschens zu gönnen.

 

 Doch weiter. Tiefer!

 

 Sicher: Da kann ich tragen, was ich will. Ein Schnalzen ist mir gewiß!!!! Wäre auch ein schöner Lied-Titel: „Schnallen-Schnalzen“. Und das viel zu selten gebrauchte Wort „Gemächt“ sollte in dem Song mehrfach vorkommen. Gemächtig gewaltig. Gern trüge ich Schurz! Doch da ist jeder Schurz zu kurz…

 

 „Jetzt ist er aber einem Irrtum verfallen“, höre ich die zwei bis drei Ex-Gespielinnen, welche sich bislang an mir verlustieren DURFTEN, korrigieren-wollend lallen. Doch wisset: Nicht nur Frauen sind implantat-gefährdet…

 

 Die Oberschenkelchen, die Wädchen – „Ja, zeig’ sie uns so, wie sie Mutti Natur, Gott oder wer auch immer dir verliehen hat: nackt!“ höre ich euch wimmern. Nun gut. Es sei.

    

 Ey.

 

 Ey!

 

 Ey!!!!!!! Nun kommt schon wieder hoch. Niederknien finde ich übertrieben. Schnalzt einfach weiter.

 

 So, und nun sind wir mit Günter Wallraff „Ganz unten“ angekommen: die Füße. Schuhe drauf und gut. Meistens Sportschuhe. Von wegen Squash.

 

 Na also, fertig ist der im freien Land an seinem freien Tag auf Freiersfüßen dahinschlendernde Partnerinnen-Sucher. Los ge… - ES KLINGELT!!!! Waldi steht vor der Tür!!! Ob er mitkann!!! Ob ich teilen würde!!!!!!!!

 

 Ja, ich teile gern. Und zwar ihm mit, daß daraus nichts wird. Gemeinsam haben wir dann nochmal in seinen Papieren nachgeschaut: verheiratet. Dacht’ ich mir’s doch. Deshalb sind da immer diese Frau, die vielen Kinder, die Hunde.

 

 Und siehe: Da fällt’s ihm auch wieder ein. Und weil er Kumpel ist, leiht er mir noch seinen Schlips und wünscht mir alles Gute. Schlecht geheuchelt, Herr R.!

 

 Nun aber raus, die Welt erobern. Zumindest aber die Frauen. Oder wenigstens eine. Oder sowas ähnliches…

 

 Ich bin so frei!

 

 So wird der Montag zum Frei-Tag!!

 

 Freit euch!!!

  

Freibeuter Jürgen

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