5.Juli 2007


Phil zu naß

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 Phil Collins war in Leipzig und hat nicht etwa in der nach ihm benannten Philharmonie musiziert, sondern im regensicheren Zentralstadion. Und? Es hat geregnet. Und wie! Obwohl Sven Regner gar nicht bei Genesis spielt. – Unerklärlich bist du, oh Welt!!!!

 

 Noch unerklärlicher aber ist, daß ich trotz heftigsten Regens nicht naß wurde. Nein, es war nicht, wie ihr vermutet, meine Aura, die mich vorm naßforschen Niederschlag schützte, und, nein, auch nicht eine Plastik-Pellerine, sondern allein die Tatsache, das Genesis-Konzert ignoriert und lieber ein Theaterstück besucht zu haben.

 

 „Clever!“ höre ich euch ausrufen. „Unglaublich vorausschauend!“ „Du Prophet!“

 

 Nun gut, es war Sommertheater, also unter freiem Himmel. Da nun aber wiederum die, die da Theater machten, mindestens genau so clever wie Jürgelchen waren, hatten sie das Ganze vom Innenhof der Moritzbastei in deren Inneres verlegt. Noch bevor die Sintflut losbrach! – „Wetter online“-Junkies…

 

 Andererseits: Es war Improvisations-Theater, und da kann man das eigentlich erwarten.

 

 Und dieses Theater bewies wiederum, warum der Wunsch Herrn R.s, endlich auch mal ´ne Frau in unser Duo zu integrieren, nie und nimmer erfüllt werden darf. Zeitweise schon. Obwohl ich da eher dafür bin, sich in die Frau zu integrieren, aber for ever…????

 

 Denn gestern abend improvisierten da zwei Herren fulminant vor sich hin und hatten eigentlich immer nur damit zu kämpfen, dem weiblichen Drittel der Troika auf die Sprünge, um die Ecke und von der Leitung, auf der sie stand, zu helfen.

 

 Wollen wir das, Waldemar? Nein, das wollen wir nicht.

 

 Nun höre ich die Leserinnen aber aufheulen: „Oh, es hätte auch einer der Kerle langsam in der Birne sein können!“ „Was kann die Frau dafür, daß sie blond ist!“ „W. ist doch auch blond!“

 

 Gemach, Freundinnen der Gleichberechtigung! Sooo blond ist Waldemar nun auch wieder nicht. Und ich persönlich habe ihn seit langem im Verdacht zu färben. Teilweise sogar ab-. Nachdem ich ihm am Wochenende bei unserem Konzert in Hofgeismar nach einem von ihm fast fehlerfrei begleiteten Solo meinerseits anerkennend übers Haar strich, mußte ich noch zwei Tage mit einer blonden Hand leben. Wär’s ein blonder Hund, wäre ich Hitler. – Schwein gehabt!!! Denn dann wäre ich ja tot…

 

 Ich würd’ ja gern Färben, denn das Grauen dringt vor, treffe aber mit dem Farbpinsel kaum eines meiner Haare, so daß dann immer die Birne farbig leuchtet.

 

 Schon deswegen stelle ich mich eigentlich gern in den Regen, denn sowas reinigt ja.

 

 Aber dafür Eintritt löhnen? Irgendwie stehe ich, nun, da ich die 20 überschritten habe, nicht mehr auf diese Massen-Events. Gut, wenn sich bei unseren Konzerten sieben, acht, oder laß es auch mal neun Leute sein, im für zehn Personen ausgelegten Event-Raum drängeln, dann ertrage ich diese Fan-Hysterie gelassen.

 

 Wenn aber ICH Musik hören möchte, dann bitte sitzend, in der ersten Reihe und: überdacht.

 

 Ja, so’n Konzert-Besuch will überdacht sein.

 

 Es wird keinen interessieren, aber: Auch meine Wohnung ist überdacht. Und trotzdem regnet es rein. Ein Bauarbeiter-Menetekel! Denn diese versuchten bereits scharenweise, die Ursache dafür zu finden. Stemmten Löcher in die Wand, zementierten neue Ziegel aufs Dach, rissen Gesteinsbrocken aus der Decke.

 

 Ich persönlich denke, daß die Feuchtigkeit durch Wasser hervorgerufen wird. Das lasse ich sie aber nicht wissen, um nicht beckmesserisch zu erscheinen. Irgendwann kommen die Jungs von selbst drauf. Und nicht nur die Jungs. Wenn’s denn ´ne BauarbeiterIN sein soll, dann auch die.

 

 Im Theaterstück gestern gab’s ´ne Bauarbeiterin. Doch die konnte gerade das nicht besonders gut, was bislang alle Bauarbeiter angesichts meiner nassen Decke machten, nämlich improvisieren. Wurde sozusagen von ihren Kollegen im übertragenen Sinne naß gemacht. Während es draußen goß!

 

 Sich trocken föhnend, grüßt euch der darob immer noch verstörte, jetzt aber hinter den Ohren schon trockene

 

Jürgen

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