15.Juni 2007


Beet-zlebub

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 nein, ich bin noch nicht dem Hitzetod anheim gefallen, was ihr vielleicht vermutet oder gar (die wirklich Bösen unter euch sowie ein anonym bleiben wollender Herr R.) gehofft hattet. ´s ist nur so, daß einem beim derzeitigen Wetter ja ständig Körperflüssigkeit in die Tastatur tropft…

 

 Und wer ist schuld: Waldemar. Denn ich kann mich noch genau erinnern, wie er in der fünften Klasse während des Russisch-Unterrichts immer „Buwsjegda budet sontze“ trällerte. „Immer lebe die Sonne“ – für die nicht Kyrillisierten unter euch. Und das haben wir nun davon.

 

 Vorhin habe ich mit ihm telefoniert, und er tat ganz unschuldig. Ich aber weiß wohl, wer die Klimakatastrophe auf dem Kerbholz hat.

 

 Und sollte mal wieder ein schweinekalter und schnee-en-masse-bereithaltender Winter über uns hereinbrechen, kenne ich natürlich den Schuldigen auch schon. – Er spielt bei den „MelanKomikern“! Und ich bin es nicht!

 

 Gerade habe ich darüber nachgedacht, ob es Gott vielleicht doch gibt. Das hat nun wirklich nichts mit Waldemar zu tun, denn da wären Gedanken an den Teufel schon naheliegender.

 

 Aber wie anders ist es zu deuten, daß vorhin, als ich mit einer gefühlt tellergroßen Oberlippe und Taubheit von der Nase bis zum Gaumen vom Zahnarzt, der mich auf meinen Befehl hin schmerzresistent spritzte, kommend, mich JEDER Händler auf dem Markt aufforderte, doch mal zu kosten. Mal’n Erdbeerchen, mal ´ne Olive, sogar der Blumenverkäufer streckte mir ´ne Gladiole hin und meinte, die sei zum Anbeißen…

 

 Lag es an meinem Latz, den ich vorsichtshalber immer beim Rückweg vom Dentisten trage? So’n hellblauer, schicker. Nicht so neumodisch, mit Klettverschluß. Nee, noch richtig ordentlich, mit Schleifchen im Nacken. Das bindet mir mein Zahnarzt immer selbst. – Herzallerliebst…

 

 Natürlich war ich eigentlich in der Lage zu kosten. Funktionierte ja alles, bloß der Gefühle war ich bar. – Die Mundöffnung hätte ich bestimmt auch noch getroffen, doch wenn sich dann der Nahrungsbrei wieder gen Erdmittelpunkt durchs frisch renovierte Beißerchen-Geflecht schöbe, wäre mir das nicht bewußt geworden. Erst später. Beim Latz-Abnehmen. An den Gladiolen-Spuren hätte ich’s erkannt.

 

 All die feinsinnigen Leipziger aber, die mich als Ästheten vor dem Herrn kennen, wären aber abgeschreckt und würden ihre vom Bratwurst-Senf verschmierten Gesichter runzeln.

 

 Mittlerweile bin ich mir sicher: Gott hat den Händlern ein Zeichen gegeben, mich kostprobenanbiedernd unter Druck zu setzen. Gott – ein Spaßvogel. Mein Gott!! MEIN Gott. Ok., irgendwie auch eurer.

 

 Ich jedenfalls fahre gleich nochmal auf den Markt. Jetzt, wo ich in und an der Birne wieder alles unter Kontrolle habe, läßt mich bestimmt niemand mehr kosten. Ich bleibe kostenlos. Aber, da ich nun der Religiosität verfallen bin, habe ich auch anderes im Sinn. Ich kaufe rote Beete.

 

 Und dann beete ich die ganze Nacht durch. Für mich. Für euch. Und, weil ich eben zu gut für diese Welt bin, auch für Waldemar. Er wird schon sehen, was er davon hat.

 

 Seid umarmt von Beet-Schwester

 

Jürgen

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