24.Mai 2007


Pillen-Doktor

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 wie war das eigentlich damals in der DDR? So frage ich mich manchmal und gerade, denn nachdem diesen Sommertag gerade mit einem Tomate/Mozzarella-Mahl krönte, fiel mir ein, daß ich Mozzarella in der Dahingeschiedenen sicherlich noch für eine Auspuff-Muffe gehalten hätte. Denn von Auspuff-Muffen verstand ich wirklich gar nix.

 

 Wir hatten Schnittkäse! Und den, der so stank. Der gelbe – als Rolle, und innen weiß. Iiiiiiih!

 

 Das alles schoß mir gerade beim Schmaus, der übrigens mit Pfeffer- und Zitronen-Basilikum (Diese Züchter werden immer irrer – wann kommt der Ingwer-Majoran?) veredelt wurde, durchs lichte Haar ins Hirnchen.

 

 Und gleichzeitig die Erklärung dafür, daß heute mein Geburtsland als kinderfeindlich bezeichnet wird: Sogar der Puppendoktor hieß bei uns Pille! Frau Dr. Pille! – Hat sich im Fernsehen immer verstellt und einen auf kinderlieb gemacht. In ihrer Freizeit aber war sie bestimmt (Ich leg’ mich da mal nicht fest…) Sex-Sklavin der Partei-Elite oder bei „Trabant“ in Zwickau, was ja auch VW etwas entlasten würde… Die mußte eine Pille nach der anderen nehmen, sonst wäre sie von einer Schwangerschaft schon mit der nächsten in die übernächste geschlittert. Das Luder! Und dieser weiße Kittel hat mich schon immer irgendwie nervös gemacht. Sicher mit nix drunter. In einer Kinder-Sendung!! Mein Gott, was war die DDR verdorben.

 

 Und DIE Heldenfigur des Kinderfernsehens überhaupt hieß „Nadelöhr“. Der personifizierte Engpaß! Außerdem gab es „Tim mit dem Telefon“, was bis weit in die 70er Jahre hinein auch der Einzige mit Fernsprechanschluß war, den ich kannte.

 

 Trotzdem machten diese DDRler Kinder. Kinder über Kinder. Und Kinderlieder! Anstatt sich zu ducken oder zu widerstehen!

 

 Nebenbei wurde sogar noch der Mikro-Chip entdeckt. Gut, erst Ende der 80er Jahre, aber dafür war er viiiiiel größer als der aus dem Westen.

 

 Mein Pomputer hieß Taschenrechner, und zusammen mit Herrn Rösler konnten wir das gute Stück sogar ein paar Meter weit tragen. 80 Kilo reinste Technik sowie 20 Kilo für den Braunkohlen-Verbrennungsofen. Damit war es möglich, plus UND minus zu rechnen. Beides!! Wir waren unserer Zeit weit voraus.

 

  Und, wenn alles anders gekommen wäre, hätten wir heute vielleicht den Tag, an dem die E-Mail das Licht des Sozialismus erblicken würde. Eine Revolution! All die Türme für die Rauchzeichen könnten abgebaut werden.

 

 Was das an Kapazitäten für die Volksarmee freisetzen würde…

 

Zwei, drei Leute bekämen vielleicht gar neben der Friedenssicherung den Forschungsauftrag, Mozzarella zu erfinden. DDR-Mozzarella. Den gäb’s dann einmal im Jahr, und keiner wüßte, was damit anzufangen wäre. Die meisten würden ihn einlegen und versuchen, Schnaps daraus zu brennen. Und das Verblüffendste überhaupt: Es wäre ihnen gelungen!

 

 Dieser wiederum würde an Schüler und Studenten verabreicht, um jenen das Lernen zu erleichtern. Büffel-Mozzarella-Schnaps – learning by doping…

 

 Frau Puppendoktor Pille – das läßt mir keine Ruhe. Wußten das Frau Elster und Herr Fuchs, als sie den kleinen Uhu zeugten? Warum war Frau Igel, das Mütterchen vom kleinen Borstel, allein-erziehend? War Papa Igel immer noch mit dem Hasen „auf Furche“? Oder nahm er sich ob der stachligen Gemahlin das Leben, igelte sich sozusagen ein?

 

 All das werde ich bald hier beantworten, denn ich merke bereits, wie der Zitronen-Basilikum wirkt. Eben flog Jan Ullrich auf einer Wolke vorbei und brüllte mir ungefragt ins somnambule Antlitz: „Ich habe nie gedopt!“ – Laß gut sein Jan. Und denk an Frau Puppendoktor Pille.

 

 Dieses Land hatte mindestens ebenso eine Macke wie ich. Aber keinen Pfeffer-Basilikum. Den hat nur

 

Jürgen

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