2.Mai 2007


Total verlobt

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 da ich gerade in einem Buch davon las, daß sich jemand verlobt habe, frage ich mich und somit auch euch: Mein Gott, wer verlobt sich denn heutzutage noch?

 

 In einer Zeit, in der ständig gemeckert und getadelt wird. Beides läßt sich wenigstens hinterher mit einem „Ich hab’s nicht so gemeint…“ wieder aus der Welt schaffen.

 

 Ein Lob aber sitzt fest. Das haftet. Das verleiht dem Gelobten Flügel. Ja, bringt ihn dem Paradies nahe. „Ich bin gar nicht die Null, für die ich mich immer gehalten habe“, flüstert er nachts vor dem Einschlafen ins leicht angesabberte Kopfkissen oder auf die nicht minder trockene Ehe-Gegnerin. Und: „Meine Lehrer hatten unrecht. Ich bin kein Versager!“

 

 Ja, so ein Lob kann schicksalshaft wirken. Aus dem Loser wird ein Held, ein Angehimmelter, ein Vorbild.

 

 Und dann: „Ey, war ’n Irrtum. Ich habe mich verlobt!“

 

 Nö, so geht das nicht. Das scheint mir doch des Lehrbuchs „Suizid leicht gemacht“ entlehnt zu sein. Daran zerbrechen Seelen.

 

 Ich aber bin, und das werdet ihr, die ihr diese Lobeshymnen an meine Mitmenschen immer und immer wieder lest und sie (und ich zweifle nicht daran) auch auswendig lernt, ein Menschenfreund. Ich würde mich nie verloben!

 

 „Gelobt ist gelobt!“ - das ist meine Devise. Schon allein deshalb lobe ich eigentlich nie. Vor allem nicht Waldemar. Obwohl der nun wieder eine Verlobung meinerseits durchaus verdient hätte. Leider ist er aber psychisch so stark, daß er sie auch verkraften würde. – Aber wer weiß, wie lange noch… So ein Leben, mit  mir an der Seite, macht natürlich nicht nur irre Spaß, sondern auch alle.

 

 Nun aber, und da komme ich euch wohl entgegen, ihr kleinen Leseratten, möchte ich einem Mißverständnis, das eingangs dieser Zeilen wohl bestand, vor-, ja eigentlich nachbeugen.

 Denn viele von euch, wenn nicht gar alle, meinten doch, daß mit „verloben“ etwas ganz, ganz anders gemeint wäre. Ist es aber nicht.

 

 Hätte ich das andere „verloben“ gemeint, dann wäre ich ja ein Lügner der übelsten Sorte. Denn ich verlobe mich solcherart durchaus. Jede Woche. Immer und immer wieder. Weil ich’s nicht lerne. Weil ich manchmal ein Depp bin. Weil mich mein Gegner psychisch im Griff hat.

 

 Kaum kommt er vor ans Tennis-Netz, schießt der Gedanke nur so in mich: „Jetzt ein Lob!“ Und dann mach ich’s. Aber meist bis fast immer entweder zu flach, so daß mir der Ball nur so um die Ohren gehauen wird, oder eben zwar hoch genug, aber zu lang. Der Lob geht ins Aus. – Verlobt. Ein Scheiß-Gefühl!

 

 Aber da dies ja hier und heute nicht gemeint war, gelobe ich hier im Sinne des Kolumnen-Starts: Verloben – never.

 

 Schließt euch mir an und kritisiert … Waldemar. Oder heiratet

 

Jürgen

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