30.April 2007


Leser lesen!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

da fiel mir doch gestern abend, während ich mir beim Zwiebelschneiden genüßlich das Messer in den Finger zelebrierte, Folgendes auf: So ein Messer messert ja gar nicht! Enttäuschend. Was sag ich – ernüchternd.

 

 Gerade wenn man als Messer zur Welt gekommen ist. Da wird man im Besteckkasten von seinen Nachbarn blöd angemacht. Allen voran natürlich die Löffel: „Ey, wir sind Löffel und löffeln, und was machst du so, Messer?“ – Will man darauf antworten? Nö, man schweigt und wird dafür von den anderen geschnitten! Auch von den Gabeln, die sich ja immerhin auf ihr Aufgabeln berufen können. Und ganz hinten im Kasten kichern die ganze Zeit diese blöden Löffel…

 

 Irgendwann ist es aber für jedes Messer soweit – die Befreiung aus dem Besteckkasten. Raus in die Welt! Und was muß man da feststellen? – Scheiße: Der Hammer hämmert, das Sieb siebt, die Heizung heizt, und vor allem: Der Espresso-Maschine pressiert’s!

 

 Da möchte man als kleines Messer, egal, wie scharf man gerade ist, nur noch eins – raus aus der Küche! Doch im Wohnzimmer wird es nicht besser… Der Fernseher hat keinen Zeit für so ’n Messerchen, denn er sieht gerade fern. Die Couch coucht gerade eine Fußballmannschaft und kämpft mit der gegen den Abstieg. Und mit dem Tisch möchte man nicht reden, denn davor wurde man schon in der Messer-Kita gewarnt: Der tischt dir eine Lüge nach der anderen auf!

 

 Bleibt nur eins: Raus in die Welt! Doch, leider, führt der Weg dorthin durchs Schlafzimmer, wo einen das Bett sofort anbettelt. Ekelhaft! Das Kissen versucht mit rausgestreckter Zunge (Und wir alle wollen wirklich hoffen und beten, daß es die Zunge ist!), unser kleines, durchaus schnittiges Messerle zu kissen. Die Laken aber machten, Gott sei Dank, gar nichts. Laken nur faul rum…

 

 Dann aber ist es geschafft: Endlich im Freien!

 

 Bloß, daß auch dort unser verzweifeltes Messer nicht gern gesehen ward. Die Wiese vorm Haus wieselte sofort von dannen. Und von hinnen. Selbst der kleine Weg zur Straße war … weg. Die Passanten passierten samt und sonders. Und zwar Saucen. Selbst im Hubschrauber über ihm geschah nichts Ungewöhnliches: Man schraubte einen holländischen Fußballtrainer zusammen, den Hub halt.

 

 Dann wurde unser Messer das erste Mal in seinem Leben rot. Naja, ihr wißt schon. Diese Vögel aber auch… Abgelenkt, wie er war, hörte er viel zu spät das eigentlich verräterische Piepsen - sein Portemonnaie war weg. Gemaust!

 

 Er belästigte einen vorüberrollenden Käse, der zum Bahnhof wollte und es dementsprechend eilig hatte, mit seinem Problem, wurde von diesem aber nur vollgekäst.

 

 Langsam machten sich Suizid-Gedanken im kleinen Messerschaft breit, denn mit der Klinge kann ein Messerchen ja nicht denken. Zumal, wenn es um Selbstmord geht. Denn dann muß es ja über dieselbe springen.

 

 Doch bevor der Held dieser wahren Geschichte sich das Leben nehmen würde, hätte er gern noch testamentiert. Da gerade ein Blatt vom Baum blätterte, griff er frohgemut zu einem herumliegenden Stift, doch – auch hier blieb nur eine tiefe Enttäuschung als Kerbe auf des Messers Griff zurück, denn, ihr ahnt es bereits: Der Stift ging stiften.

 

 Wie kam unser kleines Messerchen nur so plötzlich an die Bahnschienen? Diese schienen ihm zuzurufen: „Leg dich nieder, du Holz-Metall-Gebinde!“ – „Komm unter mich!“ lokte eine Lok. Und, völlig unpassend, wisperte ein Wagon: „Mehr Demokratie wagon!“

 

 Da dachte der Scharfe, wie wir ab nun die kleine Hauptfigur dieses Dramoletts betiteln wollen, sofort an Willy Brandt, der ja Frauen reihenweise mit zwei seiner erfolgreichsten Sätze überhaut gefügig machte: „Hab’ ich einen Brandt! Hab’ ich einen Willy!“

 

 Wenn ein Ferkel ferkeln könnte, dann müßte es Willy heißen.

 

DOCH HALT!

 

 Ein Ferkel kann nicht ferkeln? Das ist Sache der Sau?

 

 „ICH BIN NICHT MEHR ALLEIN!“ brach es aus dem Messer heraus. Sofort spielte Drafi Deutscher (Schon wieder Drafi!) Jesus, stand wieder auf und begann zu singen: „Mamor, Stein, Messer und Eisen bricht…“

 

 Das aber hatte der Scharfe nicht gewollt. „Du solltest lieber wieder tot sein, Drafi!“ beckmesserte er los. – Und ihm wurde – huch! – plötzlich ganz warm ums Herz. Die Lösung all seiner Probleme, sie lag auf der Hand.

 

 Denn just in diesem Moment kam die 1.Mai-Demo des Vorjahres, die sich nur aus dem einen Grund, dem SPD-Vorsitzenden gefolgt zu sein, verlaufen hatte und nun, des bereits 364tägigen Herum-Irrens immer noch nicht müde, mit dem Lied „Hier kommt Kurt!“ auf den Lippen bis morgen durchmarschieren wollte, um die Ecke. Und tatsächlich: Kurt sah unser Messer und verliebte sich. Sofort.

 

 Seither beckmessert sich Kurt Becks Schneidwerkzeug durch diese Welt, ist selig und zufrieden, durchaus hübsch anzusehen, schlank und rank sowie ab und an noch ein bissel scharf und nennt sich, warum auch immer,

  

Jürgen

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