17.April 2007


Weiß, lilan und violettenig

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das geht aber auch ratzbatz: Eben bimmelten noch die Schneeglöckchen, und schon wird man vom blühenden Flieder, vor allem aber von dessen Duft, der sich gar lieblich anschleicht, dann aber in geballter Wolkenform auf den Riecher als solchen einprasselt, glattweg auf den Rücken geworfen. Guckt euch mal die Umgebung der Fliedersträuche in den Parks an: Daneben liegt alles auf dem Rücken. Auch Frauen! Jaaaaaa, auch Pferde.

 

 Letztere eher selten, denn die haben oft den Rücken nicht frei. Auf dem liegt ja, laut Schlager oder Sprichwort oder so, bereits das Glück dieser Erde.

 

 Frauen aber wird oftmals der Rücken frei gehalten, und so haben sie Gelegenheit, sich auf selbigem dem Fliederrausch hinzugeben.

 

 Und nicht nur der oft besungene weiße, nein auch der andere Flieder blühet. Der lilane. Bzw. der violettene. Ha! Beides rot unterstrichen! Word ist doof!

 

 Mir schrieb übrigens mal eine Kita-Leiterin wegen des Kinderprogramms „Jürgens Liederkiste“ und adressierte den Brief an „Herrn Fliederkiste“. Kam natürlich an. Bei mir zwar nicht so gut, aber wenn man bedenkt, wieviel so eine Kita-Leiterin mit Kinder-Quälen, Kinder-zu-Monstern-Erziehen sowie Kinder-auf-immer-und-ewig-Verderben zu tun hat (Und hier nochmal mein ausdrücklicher Dank an all die Kirchenfürsten, die diesen Skandal medienwirksam anprangern!), dann kann so ein orthographischer Ausrutscher schon mal passieren.

 

 Herr Fliederkiste… Da hätte ich ja Frau Fliederkiste heiraten müssen. Felicitas Fliederkiste, das stadtbekannte Luder! Die wollte ich aber nicht. Die wollte nicht mal Waldemar. Denn Waldemar kennt die gar nicht. Ich übrigens auch nicht. Also Waldemar schon, aber nicht Feli, wie ich sie mal liebevoll bekosenamen möchte.

 

 Das alles aber läßt den 2007er Flieder kalt. Er macht einfach das, was er am besten kann: Er verduftet! Und bleibt dabei vor Ort, wie’s im DDR-Journalisten-Deutsch so schön hieß. Vor-Ort-Reportagen – ein Genre des Grauens!

 

 Was aber, um auch mal knallhart zu fragen, soll nun dieses Jahr, wenn’s doch jetzt schon fliedert, noch kommen? Krokusse, Osterglocken, Tulpen, Freesien, Spargel, Forsüzia (schon wieder rot!) und Eisbärenbabys hatten wir schon. Morgen pflücke ich die ersten Astern, breche mir eine Handvoll Sonnenblumen und gehe Kastaniensammeln. Demnach ist ja dann übermorgen Weihnachten.

 

 Und es gibt Geschenke! Auch für Herrn Fliederkiste! Und da ich, und wer wüßte das besser als ihr, ja engelsgleich bin, harren meiner unterm (blühenden?) Tannengebäum sicher wieder ein paar neue Flügel. Beste Ware. Von Blüthner.

 

 Mit „Alle Jahre Flieder!“ grüßt euch

 

Jürgen

 

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