15.April 2007


Griesgrämig grelles Grill-Greul-Grauen-Grollen

  

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 was'n Sommer im Frühling!

 

 Der Himmel versucht schon mal, sich als Double für Zustand all der tumb-doofen deutschen Männer am Nachmittag eines normalen Himmelfahrtstages bei der Agentur "Deppen-Casting" einzuschmeicheln: total blau. Ein Azur – azurer geht's nicht!

 

 Die Luft – ein Weh-Wehchen! Und außerdem so, wie olle Herbert dem Willy sein Badewasser zu charakterisieren beliebte: lau.

 

 Die Nächte – länger als erlaubt. Heute früh bis um fünf. Ob mit kleiner oder ohne kleine Maus, das sei hier mal dahingestellt.

 

 Die Sonne – so was von oben. Regelrecht obenauf. Und immer bemüht, es den Besuchern eines "MelanKomiker"-Konzerts gleichzutun: strahlend. Und so gelb, daß Dotter von Bio-Eiern schon Suizid-Gedanken hegen. In der Schale. Pränatale Depressionen. – Daß ich das erleben darf! Wer heute sein Ohr gegen ein Bio-Ei preßt, hört, ob des unschlagbaren Sonnen-Gelbs am Himmel, vom gedmütigten, ach, nennen wir es ruhig "Ei-Ocker", ein leises, zirpendes: "Bleib', wo du bist, und rühr' dich nicht…"

 

 Und ich. – Und ICH! ICH, der ich mich binnen Sekunden vom personifizierten Frühling in einen Sommer, der jeglichen Personenkult verdient hat, den es in all den Kult-Stätten dieser Welt auch nur zu kaufen bzw. zu ersteigern gibt, verwandelt habe. Nennt mich Elke! Oder (für ganz alte DDR-Schlager-Hasen) Klaus!

 

 Meine frühere Erzieherin im Schulhort, in dem ich zu dem mißgebildet wurde, was ihr hier stets und ständig ertragen müßt, hieß Frau Sommerlatte! Dazu gebe ich jetzt a) keinen Kommentar und hoffe b), daß sie noch heißt und noch lange heißen möge.

 

 Die Welt ist mit einem Mal in Ordnung! Ja: vollkommen! Wie ä bissel scheen!

  

 Bis gestern 16.30 Uhr.

 

 Denn da kräuselte sich mein gar zierliches Näschen erstmals. Nur leicht. Ja, gar ungläubig. Schier verstört (Kann ein Gewässer, in dem nur eine einzige Fisch-Art und deren Vertreter noch dazu in unfaßbaren Mengen auftreten, als "verstört" bezeichnet werden? Sind Kaviar-Fetischisten "verstört"? Stört ein Stör durch sein Leben? Stören euch meine Klammer-Einfügungen?). Und dann vernahm ich mein eigenes Riech-Organ, wenn auch nur ganz leise, fast nasal wispernd: "Das kann nicht sein…"

 

 Doch hier irrte meine Nase, so daß ich ihr sogleich den ersten Teil ihres Doppelnamens (Spür-) strich. Denn das Grauen war wahr. Sozusagen: Gestanks-Realität. Der erste Grill-"Duft" legte sich fettig und ölig übers sonnenbeflutete Terrässchen. Ungefähr so, als würde man in eine Badewanne, gefüllt mit ranzigem Öl, steigen.

 

 Die Grill-Batzen konnten nicht mal den Mai abwarten! Oder meinen Tod! Oder irgend etwas anderes, was mich kurzzeitig aus der Leipziger Tieflandsbucht entfernt. Nö. Sie holten das alte Gammelfleisch vom Herbst 2006 aus dem Munitionsbunker unter dem Nelken(!)-Beet, riffelten die schlappen drei Zentimeter Schimmel lässig mit dem Handrücken ab, entzündeten kirre lachend ein Fäßchen Feuerzeugbenzin und verwandelten, einen Schimmer Glück im Augenwinkel nicht unterdrückend, das eben noch lecker pelzig-weiße Grundnahrungsmittel in schwarze Kohlebrocken. Unter Verpestung der Luft von hier bis Halle. Halle in Westfalen, wohlgemerkt. Was sag' ich: Halle, Massachusetts.

 

 Mutti blickt derweil wohlwollend und, scheint's, auch ein klein wenig lüstern auf den lederbeschürzten Vati. Der wiederum, stolz wie Bolle, auf die übergewichtige Kinderschar. Und jene auf die sich in jeder ihrer Hände befindlichen Ketchup-Flaschen. Denn Ketchup zum Gammelfleisch, das ist ein Muß! – Nö, nicht auf den Salmonellenträger direkt. Tier wird pur gerissen! Aber anschließend oder gar parallel dazu so ´n kräftiger Schluck Rot-Getränk aus der Pulle: LECKER!

 

 Jaha! Ihr habt Recht! Die dürfen das. Und von mir aus sollen sie's auch. Aber das stinkt! Und nirgendwo steht geschrieben: Das darf stinken! – Nun gut, jetzt steht's hier geschrieben, aber wer nimmt mich schon ernst?

 

 In diesem Sinne freue ich mich nun bereits auf in zwei Stunden, denn es ist Sonntag, 14.30 Uhr. Die graue Fleisch-Masse wurde gewiß schon irgendwo zum Vorschleimen in die Sonne gebatzt. Und um halb fünf werden sie dann wieder angeworfen: die dachlosen Verbrennungs-Öfen. Das bedeutet von halb fünf bis um 21 Uhr für mich: Nasenklammer und Ohrenstöpsel, denn auch das überlaute Schmatzen der Sondermüll-Verzehrer würde mir den Sommer vermiesen.

 

 Ihr aber wißt: Ich bin tolerant. Und vermiesungs-resistent! Und so würdet ihr, falls ihr ein Tornado-Aufklärungsflugzeug samt modernster Kameratechnik euer eigen nennt und mich damit überfliegt, heute noch folgendes Terrassen-Foto schießen können: Jürgen, sich lächelnd der Sonne preisgebend, geziert von einer schier überdimensionalen Nasen-Klammer und Ohrenstöpseln, die wohl eher schon die Bezeichnung Ohren-Stopfer verdienen.

 

 So läßt sich's leben. Und glücklich sein.

 

 Darauf ein Glas Ketchup! Auf ex!

 

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165078
JW-admin | News-admin