8.April 2007


Vergeßt Jesus!

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es geschah heute um kurz nach 11 Uhr, begann aber bereits früh um 8. Was? – Na, das Wunder! Denn bereits um 8 Uhr wurde ich, für mich völlig unerklärlich, wach und lustwandelte kurz durch meine Gemächer. – Nüscht los!

 

 Also tat ich es: Ich legte mich wieder hin. Und dann, kurz nach 11, war es soweit: Ich stand wieder auf! Eine Wiederauferstehung! Jesus!! – Ich hatte sowas schon immer geahnt, auch wenn Herr Rösler mir meine Gottgleichheit stets ausreden wollte. Nur weil er fünf Monate jünger ist. Jünger Waldemar!! Ich werd’ irre! – Ok.: Ich bin irre.

 

 Nicht umsonst erblickten wir beide das Narva-Licht der Welt in der DDR. Im Osten. Ost-ern, das ist unser Fest! Das, was früher „Bundis“ hieß und unter denen ich heute durchaus gar viele Freunde habe, kann ja weiter sein Fest feiern. Im Kino oder vor der Glotze: West-ern gucken.

 

 Ich aber lege nun gleich richtig los. Wobei das ja die Sage den Hasen unterstellt, doch dank des in der DDR weit verbreiteten Buches „Mann und Frau intim“ weiß ich (und hoffentlich auch Waldemar), daß Hasen gar keine Eier legen können. Sie bemalen sie nur! Und packen sie dann in ihre Kiepen, welche sie wohl bei Kiepenheuer&Witsch leasen, um nicht zu sagen heuern. Kaufen lohnt sich ja nicht, für die zwei Tage im Jahr.

 

 Denn den Rest des Jahres sitzen Mümmelmann und Konsorten faul auf ihrer Hasienda rum. Nö, die machen nix. Gar nix! Und die kleinen Hasen? – Auch nix. Die gehen in ihrem ganzen Leben nur EINEN Tag lang zur Schule. Dort haben sie dann auch nur eine Stunde, also 45 Minuten Unterricht. Deutsch! Da heißt es dann aber, die Löffel spitzen, denn in diesen für sie wichtigsten Momenten ihres ganzen Lebens erlernen sie den Satz, den sie uns dann, meist geschickt verkleidet, in den Fußgängerzonen germanischer Städte entgegenschleudern: „Hase mal ´nen Euro?“

 

 Dabei blicken sie leicht verlegen auf ihre Hasenfüße, denn: Unangenehm ist es ihnen schon…

 

 Wenn sie dann aber abends euro-bepackt nach Hause hoppeln, freuen sie sich schon auf die begeisterten Begrüßungsrufe der restlichen Familienmitglieder: “Hase was, dann biste was!“

 

 Was unterscheidet eigentlich Hasen von Kaninchen? Keine Ahnung. Gut, letztere schmecken mir besser, aber ob ich sie mit Fell unterscheiden könnte? Also: Sie mit Fell. Ich ja leider kaum noch. Fragte mich doch letztens so ein zugehaartes Angsthäschen kurz vor meinem für es wohl alles beendenden Hieb mit der Schlacht-Axt: „Kaninchen vielleicht helfen?“ – Ein schöner letzter Satz…

 

 Allerdings auch ein Satz, der mich in Klamotten-Läden unheimlich nervt! Kaum habe ich Augen und Ohren in Richtung der meinen Körper eventuell mal umschmeichelnden und damit noch besser zur Geltung bringenden Textilien ausgerichtet, hoppelt sie schon heran, die scheiß-freundliche Verkäuferin: „Kaninchen vielleicht helfen?“

 

 Und egal, ob ich nun, wie meist, mit „Mir ist nicht zu helfen!“ oder aber mit „Nein, mein Häschen!“ antworte: Ich ernte verständnislose Blicke. Wenn doch in der Welt mal ein Riesen-Run auf verständnislose Blicke ausbräche – ich könnte den Weltmarkt sättigen! Ich ganz allein. Selbst auf der Bühne ernten Herr Rösler und ich solcherart hilflose Augenaufschläge immer öfter. Waldemar ist sozusagen mein Ernte-Helfer. Lästig nur, daß er immer nach dem Erntedankfest fragt, das ich ihm irgendwann mal versprochen haben soll… Wahrscheinlich im Eierlikör-Rausch.

 

 Nochmal zurück zu mir und Jesus. Wobei es ja hier reicht, wenn ich formuliere: Nochmal zurück zu mir.

 

 Was sich nämlich heute bestätigte, das ahnte ich schon als Kind!!!! – Es war an einem Januar-Nachmittag Mitte der 60er Jahre inmitten der sowjetischen Besatzungszone.

 Wir hatten, wie immer, nix. Außer Hausaufgaben und einen scheißkalten Winter. Da aber meine Geburtsstadt Delitzsch über einen mit Wasser gefüllten Wallgraben verfügte und verfügt (Wahrscheinlich in dem Irrglauben angelegt, das NATO-Mitglied als solches könne nicht schwimmen…), fühlte ich mich als kleiner Jungpionier zum Wundertäter berufen: Ich überquerte das Gewässer. Zu Fuß!!! – Ja, ich kann über Wasser gehen!

 

 Als Herr Rösler es mir, nur vier Monate später, gleichtun wollte, mußte er meine Einzigartigkeit anerkennen. Wohl oder übel. Wohl mehr übel. – Halstuch, Pionierbluse und Lederhose: alles klatschnaß. Der Versager…

 

 Ich aber überlege, da es nun bereits kurz nach 13 Uhr ist, ob ich mich nicht nochmal ganz kurz für ein Nickerchen (Ein wahrlich hübsches Synonym für „Mittagsschlaf“, welches bei Waldemar übrigens „Kopfschüttelchen“ heißt…) darniederlegen sollte. Um dann wieder wiederaufzuerstehen. Eine zweite Wiederauferstehung innerhalb eines Tages! Vergeßt Jesus!!!

 

 Und, was euch viel, viel schwerer fallen wird, zumindest für heute auch

 

Jürgen

 PS. Ich finde, ich werde immer bescheidener...

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