4.April 2007


Bei der Stange bleiben!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 da waren aber coole Stecher am Werk. Vielleicht auch Stecherinnen. Wer weiß? Stachen im fast noch tiefgefrorenen Boden rum, und was fanden sie – herrje: den ersten Spargel. Und ich kleine Stechmücke kaufte ihn soeben, sozusagen als Sahnehäubchen auf den gerade zwischen zwei Kinder-Muggen absolvierten Oster-Einkauf.

 

 Jetzt muß ich nur noch kurz in die Niederlande, von wegen der Sauce. Aber ob ich das bis 15 Uhr schaffe? Denn dann öffnet sich ja bereits wieder der „Liederkiste“ benamste Gitarrenkoffer in der nächsten Kita. – Ich bin nicht schnell genug! – Womit wir wieder beim Stecher wären…

 

 Irre ich mich, oder gab es ansonsten den ersten frischen Spargel von den heimischen Feldern erst gegen Ende Oktober? Und hießen die blaßweißen Stangen da nicht Rosenkohl und waren grün? Und rund?

 

 Vielleicht liegt es in diesem Jahr daran, daß das offizielle Verhältnis zu Polen ein bissel getrübt ist? Ich selbst überlege auch noch, ob man zum Spargel überhaupt KARTOFFELN essen darf… Wenn ja, dann aber zwei! Und sie müssen irre gleich aussehen.

 

 Also meine Erklärung für den Fast-noch-Winter-Spargel ist die, daß unser Nachbarvolk wieder gut mit uns sein möchte, deshalb alles, was zwar stechen, aber nicht hauen kann, aus den Wojewodschaften rausgeräumt und auf „Freundschaftsreise“ gen Westen geschickt hat. Und der Westen – das sind halt auch wir im Osten. Verwirrend. Und hier sticht er nun zu, der Waldemar-Vorfahre.

 

 Dem Deutschen als solchem, vor allem dem ohne Arbeit, ist diese Tätigkeit ja nicht zuzumuten. Spargelstechen – no! Allerhöchstens Bienenstich. Aber frisch muß er sein.

 

 Und frisch ist’s ja auch draußen wieder. Das Wetter macht einen auf Ostern und eiert rum. Da schlottern die Dotter in der Schale! Und kaum hat unsereiner seine Pelzkappe, mit der er seine bare Kopfhaut zu wärmen pflegt, wieder aus der Mottenkiste (Liederkiste?) rausgeholt, überflutet uns die nächste Hitze-Welle. – Ein Temperatur-Tsunamie! Jedenfalls wurden uns gestern für Montag 22 heiße Grad offeriert.

 

 Vielleicht gibt’s dann ja schon Spargel-Eis! Solcherlei pries man in der DDR ja als Stangen-Eis an, um das Wort „Spargel“ zu vermeiden. Sowas Feines hatten wir ja nicht bis selten. Und Sauce hollandaise erst recht nicht. Unsereiner kippte sich Soljanka über die Schwarzwurzel. Und fühlte sich dabei wie ein Fast-Wessi. Also wie der heutige Pole bei uns in der Himmelsrichtungsscheide.

 

 Ob ich Herrn Rösler was von meinem Spargel abgebe – diese Frage erübrigt sich wohl. Erstens ließ ich ihn erst 1994 mal von meinem Bier probieren, was er dann bis zur Neige aus-kostete, der Schluckspecht. Und zweitens – soll er doch seine Polen-Connection aktivieren. Oder mal im Stechlin nachfragen.

 

 Ich aber werde nachher schnell noch ein Tier überfahren, denn etwas Fleischbeilage zum vegetarischen Leckerbissen gibt dem Ganzen doch erst die richtige Würze. Je nachdem, was ich da so auf der Landstraße erlege, könnte ich auch auf den Spargel verzichten. „Fleisch ist mein Gemüse!“ Um mal einen auf Heinz Strunk zu machen.

 

 Die Sauce trinke ich natürlich trotzdem. Gleich aus der leckeren Papp-Verpackung! Zähflüssig, aber edel! Und kalt fast noch köstlicher als angewärmt.

 

 Ich glaub’, ich fahr’ mir heut’ ´nen Hasen! Dazu mache ich dann ein schönes Glas Rotkraut (Verfallsdatum: 2.9.1988) auf. Gute, alte DDR-Ware. Das alles serviere ich mit zwei polnischen Kartoffeln, haue mir den Wanst voll und harre der diplomatischen Verwicklungen, die auf uns zukommen.

 

 Sollte daraufhin ein polnischer Zwilling versuchen, Deutschland anzugreifen, werde ich meine Heimat natürlich verteidigen. Mit dem Spargel in der Hand!

 

 Da wir aber morgen abend sowieso in Forst, direkt an der polnischen Grenze spielen, falle ich vielleicht sogar einfach ins Nachbarländle ein. Singend! „Bis früh um fünfe, kleine Maus…“

 

 Mit Spar-Gel im Haar grüßt euch Friedens-Engel

  

Jürgen

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