2.April 2007


Hilfe!

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 wo wart ihr denn vergangene Nacht? Ich hätte euch so gebraucht! Allein hab’ ich’s nämlich nicht hinbekommen. – Ich konnte einfach nicht einschlafen, benötigte dringendst eine Einschlaf-Hilfe.

 

 War’s der Frühling da draußen oder der Herbst in mir? Keine Ahnung. Lesen half nicht. Alkohol kommt mir nicht ins Haus (Aber nicht etwa, weil ich zum Moslem-Lamm werden möchte, sondern weil schon genug Alkohol im Haus ist...). – Ok., ich tastete nach der bewährten Einschlaf-Hilfe: der Radio-Fernbedienung.

 

 Ein solcher Schlag ins Wasser, kaum zu glauben! Da es bereits nach 2 Uhr war, konnte ich nicht wie sonst auf DeutschlandRadio Kultur oder im Deutschlandfunk tiefsinnigen Diskussionen oder verbalen Absonderungen höchst intelligenter Art lauschen, die mich a) tagsüber beglücken, dessen ungeachtet aber b) nachts meist herrlich in den Schlaf lullen. Wobei ich dieses Verb hier zwar richtig gesetzt, aber irgendwie auch deplaziert finde.

 

 Wich ich also auf den einzigen Laber-Sender, den mein Radio nachts hergibt (Und bei Musik kann ich schon gar nicht einpennen…), aus: MDR-info. Mein Gott! Nüscht bis nix gegen die Beiträge, und auch über die sächsische Einfärbung bei den Sprechern rege ich mich schon lange nicht mehr auf. Aber diese Jingles!!!

 

 Immer wenn ich dachte, Morpheus habe seine Arme bereits weit für mich geöffnet und ich müsse mich nun nur noch seiner Umarmung hingeben, jingelte es los. Und das in geschätzter siebenfacher Lautstärke des bisher Gesagten. Ob meines Gemütszustandes gar in gefühlter hundertfacher Lautstärke. Eine Jingle-Dröhnung: „Ra-ta-ta-ta – MDR info!“ Und gleich nochmal! Und nochmal!! Nur lauter!!! Und sieben Sekunden später: noch lauter und gleich viermal.

 

 Kann sein, daß ich die Textbeiträge zwischendurch gar nicht mehr mitbekam: Aber irgendwann wand ich mich in Heulkrämpfen unter meiner Bettdecke, während draußen das MDR-info-Jingles-Monster tobte!

 

 Wenn sich ein Sender, der eindeutig im Osten Deutschlands beheimatet ist (Und dann ist Deutschland alle, dann kommt, verdammt noch mal, Polen, Tschechien und all sowas…), in schöner revanchistischer Tradition „mitteldeutsch“ nennt, dann krieg ich schon soooooo’n Hals. Aber das Programm! Wenn man sich darüber so aufregen würde, wie es nötig wäre, käme ich nie mehr in den Schlaf! Nie nie mehr!

 

ABER ICH REG’ MICH JA NICHT AUF!!!!!!! ICH NICHT!!!!!!!!

 

 Irgendwann werden sie nur noch Jingles spielen. Im Info-Radio! Und keiner wird’s merken. – Alle unter der Bettdecke erstickt.

 

 Bevor ich mich aber dem Erstickungstod hingebe, überlege ich, zu welcher Hilfeleistung ich euch alle noch herbeizitieren könnte, wo das mit der Einschlaf-Hilfe so phantastisch geklappt hat. ´ne Geh-Hilfe benötige ich ja noch nicht. Außer Gehilfe Waldi.

 

 ´ne Putzhilfe? – Ey, ich bin selber putzig!

 

 ´ne Erste Hilfe? – Ob das bei mir noch hülfe?

 

 ´ne Umzugs-Hilfe? – In meine und aus meinen Klamotten komme ich noch selber rein bzw. raus.

 

 ´ne Übersetzungshilfe? – Mein Gott, wenn ich ans andere Ufer möchte, chartere ich ein Boot.

 

  Ihr merkt schon: Mit fällt nüscht ein. Schnappt euch einfach euer Helfer-Syndrom und kommt her. Und sei’s nur um festzustellen: Dem ist nicht zu helfen.

 

 Und das verkündet ihr dann über MDR-info. Zwischen zwei Jingles. Während ich verscheide. Dank eurer Sterbe-Hilfe.

 

 Na Hilfe!

 

Hilfs-Jürgen

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