20.Mrz 2007


Was erlaube W.?

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 es gibt immer wieder neue, erschreckende Formen, mit denen ein gewisser Waldemar versucht, sich bei mir einzuschleimen. So schenkte er mir vergangene Woche, nachträglich zu SEINEM Geburtstag zwei (!) Bücher. Fast wäre ich geneigt zu sagen „Nur zwei!“, aber meine mich seit Kindertagen prägende Bescheidenheit und Selbstzurücknahme läßt mich diese durchaus angebrachte Bemerkung verschlucken.

 

 Nun werdet IHR vielleicht empört ausrufen: „Was, nur zwei Bücher? Mehr bist du ihm, dem doch von dir zu SEINEM Geburtstag mit EINEM Buch mehr als überreich Beschenkten, nicht wert? Schneide es durch, nein, zerfetze es, das Tischtuch zwischen euch!“

 

 Gewiß, ihr habt recht. Doch neben Bescheidenheit ist es eben auch eine unendliche Güte, ja eine fast schon an Unterwürfigkeit grenzende Demut gegenüber dem Dorfbewohner in unserem musikalischen Ensemble, die mich anders handeln läßt. – Mit einem hingeheuchelten „Danke, wie komme ich denn zu der Ehre?“ erfüllte ich Herrn R. seinen innigsten Wunsch und nahm die Darreichung an.

 

 Gewiß, das „Danke!“ fiel mir mehr als schwer, denn was hatte ich nicht vorher durch W. alles erdulden müssen! Wenn er was kann, dann provozieren!! Der Sauhund!!!! Wo ich so gut zu ihm bin!!!!! Zu gut!!!!!!! VIEL ZU GUT!!!!!!!!

 

 Als ich ihn nämlich zu Weihnachten mit meinem voller Gefühl hin-gelapidartem „Frohes Fest!“ schier zu Tränen rührte, versuchte er, der seine Gefühle ja nie so recht zeigen, geschweige denn formulieren kann, mir mit einem für mehrere Euro erworbenen Geschenk zu imponieren. - Ein Buch! Nur um mich, der ich, wie jedes Jahr, der materiellen Darreichungen entsagte und für ihn mit den oben erwähnten Worten für die Krönung des Weihnachtsfestes (Noch tagelang flüsterte es in seiner Familie tonlos, ergriffen und ehrfurchtsvoll: „ER hat ihm ein frohes Fest gewünscht! Wie überaus großzügig…“) sorgte, zu demütigen.

 

 Aber was für ein Buch! Den dritten Teil einer Trilogie! Da steckt doch Absicht dahinter. Der wollte mich fertig machen! Und ich Depp fange dann auch noch an, das Druck-Erzeugnis zu lesen. Ob meines jüngst in einem Internet-Schnelltest ermittelten 135er IQs merkte ich natürlich bereits nach 200 der fast 250 gebundenen Seiten, daß da was nicht stimmt. „Worum geht es hier eigentlich?“ war die Frage, die mich von Seite 1 an bewegte.

 

 An Cleverneß gebricht es mir ja nicht, und so recherchierte ich im Einband. Und siehe da: Dort wurde des Rätsels Lösung offeriert! Ich las den dritten Band, ohne die beiden anderen zu kennen!

 

 Nennen wir es ein kleines Handgemenge, womit ich Herrn Rösler zur Rede stellte. Ein Privatpatient wäre nach solch einer kleinen Rangelei bereits nach vier, fünf Tagen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Herrn R.s Kasse mußte zehn Tage Vollpension löhnen… Der vernarbt aber auch so langsam!!!

 

 Zumal immer wieder Reue-Tränen seinen Schorf näßten und den Heilungsprozeß innehalten ließen. Noch im Krankenbett entwarf er Wiedergutmachungs-Strategien, dieser Mißgeschicks-Vortäuscher. Denn als solches hatte er die Ein-Drittel-Beschenkung bezeichnet.

 

 Seitdem darf er zwar noch mit mir auftreten, erhält auch (für die Steuer-Abrechnung) weiterhin unerhörte 50 Prozent unseres Honorars, muß dies aber eine Stunde nach dem „MelanKomiker“-Event zuzüglich 20 Prozent Verzugszinsen mit einem „Bitte, Massa!“ bei mir abliefern. Das haben wir für die nächsten sieben Jahre so vereinbart. Dann, so versprach ich ihm in meinem mir selbst zu Herzen gehenden Großmut, senke ich die Verzugszinsen auf für ihn geradezu phänomenale 19,5 Prozent.

 

 Und nun die Sache mit den zwei Büchern für mich. Zu seinem Geburtstag. Meint Waldemar vielleicht, mich damit unter die 19-Prozent-Marke drücken zu können? Kommen diese literarischen Geschenke eventuell gar nicht von Herzen, sondern sind Ausdruck schierer Berechnung?

 

 Das muß ich morgen, wenn wir uns zum Abmischen der letzten Titel unserer neuen CD im Studio treffen, mal mit ihm klären. Also, Jürgen: Morgen nicht die Daumenschrauben vergessen! Die Streckbank habe ich ja schon im Studio „geparkt“, um in den Pausen zwischen meinen Gesangsaufnahmen, die die Welt nach ihrer Veröffentlichung um einiges reicher und schöner machen sowie wohl die Klimakatastrophe stoppen werden, mit Herrn R. ein wenig Spaß zu haben. Die Fuß-Riemchen kann er schon ganz allein anlegen!

 

 So. Nun aber genug von den Erniedrigungen, die ich mir von W. tagtäglich zufügen lassen muß. Ich recherchiere jetzt im Internet, ob es vielleicht schon einen Band 4 der Romanreihe, in deren Besitz ich nun dank Herrn Röslers bin, gibt. Sollte dies der Fall sein, wird all meine Güte, mein Hingezogensein, meine Herzenswärme mit der ich Waldemar in den Jahren unseres gemeinsamen Auf- und meines Über-ihn-Hinaus-Wachsens bedachte, von mir abfallen. Dann mache ihn RICHTIG fertig!

 

 Was provoziert der auch immer wieder den von euch allen ob seiner Sensibilität, seines In-sich-Gekehrtseins und vor allem seiner an Selbstverleugnung grenzenden Lobpreisung seines Kollegen ins Herz geschlossenen

  

Jürgen

 

PS. Waldi, es gibt bereits die Hörbuchfassung dieser Krimi-Reihe!!!!

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