16.Mrz 2007


Basilisk im Schnittlauch-Hain

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das war’s dann ja wohl mit dem Sommer 2007. Und tschüß! Kurz, aber heftig, dieses Sömmerchen: Es erreichte am Dienstag aus dem Nichts seinen Höhepunkt, ging dann in einen milden, sonnengetränkten Herbst über, der jetzt noch anhält, und soll, so die Frosch-Mafia, in der nächsten Woche in Form von winterlichen Schneewehen verenden.

 

 „Endlich wieder Winter!“ werden die Bekloppten unter uns aufjuchzen. Dann aber sollten sie sich schnellstens vom (verschneiten) Acker machen, denn der da hinten mit dem Holzhammer in der Hand, welcher geradewegs auf sie zurennt, um ihnen, ob der saublöden Bemerkung, die Fontanelle leicht einzudellen, bin ich! Wo ich sonst so friedfertig bin! Behaupte ich mal.

 

 Aber wenn einer für Winter plädiert, verstehe ich keinen Spaß. Außer es geht um das Küren der Besten in der Schauspieler-Gilde und um Judy. Dann darf plädiert werden.

 

 Die kalte Jahreszeit, welche nun ansteht, hat auch schon ein erstes Opfer gefordert. Und wer opferte? – Ich. Ich Depp!

 

 Denn als am Dienstag die Sonne das verhieß, was es, laut Sprichwort, nur gibt, wenn man es tut, nämlich Gutes, erwarb ich für Unsummen (Laß es über einen Euro gewesen sein!) ein Töpfchen Basilikum. Lecker! Also der Basilikum, nicht das Töpfchen.

 

 Dieses plazierte ich dann, um der Zucht ganzer Basilikum-Plantagen zu frönen, auf der sonnenüberfluteten Terrasse, und bei den dort herrschenden ca. 20 Grad hörte ich das Pflänzchen ganz, ganz leise wispern: „Dank, Jürgen, du Guter!“

 

 Leider vernahm ich, als die Sonne unterging und ich meine Pflanzenzucht-Pläne schon lange wieder vergessen hatte, die hingehauchten Abschiedsworte des Blatt-Trägers nicht mehr. So lag dann, als ich gegen 20 Uhr mal meine Plantage bestaunen wollte, nur ein hingekritzelter Zettel neben dem Töpfchen, auf dem mit letzter Kraft und in zittriger (!) Schrift die testamentarische Botschaft „Mir ist saukalt!“ festgehalten war.

 

 Die noch am Nachmittag straff parallel zur Terrassen-Oberfläche ausgebreiteten Blättlein hingen nun, im wahrsten Sinne des Wortes, durch. Erschlafft! Für immer!!

 

 Da hätte ich das Heranziehen des Winters eigentlich schon ahnen müssen. Ich aber war ganz Trauer, begrub meine dahingeschiedene Plantage nach einem kurzen Gebet stilvoll im Abfalleimer und bestreute die Grabstätte mit Basilikum. Aus der Tiefkühl-Abteilung! Schon zerkleinert. Ein bissel wie Asche ins Meer streuen. Leider ohne Salut-Schüsse. Und ohne Salat-Schüssel.

 

 Dann ging ich in die Basilika. Trauern. Um meine fehlgeschlagene Investition. Und um den ach-so-schnell verronnenen Frühling.

 

 Und heute fühle ich mich nun, nach den Schicksalsschlägen der vergangenen Tage und ob des heranbrausenden Winters, leicht basilisk. Fast schon gerebelt. Ein wenig rebelliert es zwar noch in mir, ansonsten aber ähnele ich immer mehr meiner dahingeschiedenen Plantage.

 

 Ach, ich wollte dereinst zwischen meinen Basilikum-Bäumen lustwandeln, hier und da einen strammen Stamm erklimmen und mich im dichten Geäst zwischen riesigen, duftenden Kräuterblättern verstecken, um vorübereilenden, frühlings-betörten Frauen kleine Anzüglichkeiten zuzurufen.

 

 Doch es sollte nicht sein.

 

  Gerade lese ich in meiner Heimatzeitung, daß bei „Aldi“ schmucke Schnittlauch-Töpfchen im Angebot seien. Auch ´ne schöne Plantagen-Idee!

 

 Da hole ich mir jetzt gleich zwei oder drei, friere sie natürlich sofort samt Topf ein und warte auf den Sommer 2008. Wie Schilf wird mich dann mein Schnittlauch umwehen. Und mitten in der Plantage eröffne ich kleines Cleverchen einen Rührei-Imbiß! Mit Löffel-Verleih. Gegen Gebühr! Umsatz-Rekorde harren meiner.

 

 Die auf mich niederprasselnde Knete investiere ich dann in einen Zoo, welcher nur ein Tier beherbergt: einen Basilisk.

  

 Ihr alle wißt natürlich, was das ist: eine Gattung der Leguane aus Lateinamerika. Den halte ich dann im Topf, stelle ihn tagsüber in die Sonne und hole ihn (Versprochen!), wenn’s kalt wird, immer schön rein ins Warme. Natürlich wird er einmal am Tag gegossen, der kleine Racker.

 

 Und wenn er dann gar legt, habe ich gleich Nachschub für die Rührei-Produktion. Ein Kreislauf des Glücks und vor allem des Geldes kommt in Gang.

 

 Lege/pfont face=font face=, kleiner Leg-uan!

 

 Gesch(nitt)laucht grüßt euch Hobby-Botaniker

  

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165009
JW-admin | News-admin