13.Mrz 2007


Ich schleich gleich bleich los

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 das ist aber auch ein Sommer in diesem März. Halleluja! Und der blaue Himmel! Um Himmelswillen! Soviel Kaffee kann ich gar nicht trinken, wie mich Freisitze locken.

 

 Und was die Cafés so sparen! Sie müssen einfach nur ein Glas kalten Wassers auf den Tisch stellen, und durch die Brennglaswirkung der erbarmungslos ballernden Sonne wird das Getränk nicht nur erhitzt, sondern nimmt, ebenso wie der sich den Strahlen aussetzende Mensch, auch gleich eine kaffeebraune Farbe an. Wie das Ganze dann schmeckt, ist einem bei solch göttlichem Wetter ja sowieso egal. Hauptsache schön teuer!

 

 All die Trullas können nun direkt aus dem Solarium in die Freiluft-Cafés gerollt werden. Und die Trulleriche. In meiner Stamm-Tankstelle, in welcher ich nicht etwa Stämme, sondern Diesel tanke, - also eigentlich auch nicht ich, sondern mein Auto – (wobei  das Auto ja nicht tankt, sondern ich es bin, der ES betankt – jetzt hammer’s!) werde ich immer von einem dermaßen tiefbraun gegrillten Jüngling abkassiert, daß ich Mitleid in mir fühle. Ein fast schwarzer Weißer! Ein Un-Weiser wohl noch dazu.

 

 Durchaus freundlich und hilfsbereit. Und doch muß er einen solchen Schuß weghaben – irre! Und bedauernswert. Ein Leben zwischen Tankstelle und Sonnenbank, das nun um einen Aufenthalt im Freiluft-Café bereichert werden kann. Ich glaube, dem Jungen eröffnen sich ab heute völlig neue Horizonte. Horrido! Und dann die vielen afrikanischen Touristen, die ihn mit „Hi, brother!“ begrüßen – da fühlt man sich doch gleich akzeptiert.

 

 Ich aber schleich gleich bleich los, um nicht nur endlich Profil, sondern auch Farbe zu gewinnen. Man soll das mit dem Bräunen ja langsam angehen lassen, deshalb „schleich“. Und wenn ich mich heute nicht so toll fühlen würde, wie ich mich nun mal fühle, wäre das Synonym „Die schleichende Krankheit“ für mich durchaus diskutabel.

 

 So ´ne Sonne aber auch. Rund und knallgelb! Da hält der dickste Chinese nicht mit. Nicht mal der fetteste Vietnamese, um gleich noch ein Volk zu beleidigen. Obwohl es ja viel mehr feist-quallige Amerikaner gibt, die im gelben Mc-Donald’s-T-Shirt einen auf Sonne machen. Was soll’s: Beleidige ich die heute auch noch!

 

 Apropos Beleidigen: Herr Rösler und ich entsagen morgen der Sonne, denn wir möchten im Studio hart daran arbeiten, daß auf der neuen CD zwar verbale Beleidigungen wie immer zuhauf, die eurer Ohren aber fast gar nicht bis kaum vernehmbar sein werden. Ein feines Unterfangen. Ob’s aber von Erfolg gekrönt sein wird? Wenn nicht, dann waren alle bisherigen Bräunungs-Orgien für uns umsonst, denn dann erbleichen wir vor unserem eigenen Versagen.

 

 Wenn ja, dann scheißen wir ab sofort auf die Sonne am Himmel, denn die haben wir dann ja nicht mehr nötig. Wir sonnen uns dann in unserem Ruhm.

 

 Ruhmreiche Grüße vom sonnoren

 

Jürgen

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