22.Februar 2007


Sieben Wochen ohne Geld-Überfall

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 manchmal komme ich einfach nicht mehr hinterher, denn die Welt dreht sich schneller, als ich mich ab und an zum Schreiben bzw. Aufregen aufraffen kann. Deshalb nun heute die News von gestern: Die evangelische Kirche Deutschlands stellt die Fastenzeit unter das Motto „Sieben Wochen ohne!“. Punkt. Und aus.

 

 „Herr Gott!“ möchte man, wenn es nicht blasphemisch wäre, lauthals ausrufen. Überall im Lande wird mehr oder weniger originell plakatiert „Mach’s mit!“, und nun rufen die Evangelen zu einem 49tägigen Kamikaze-Testlauf auf. Die Katholiken halten es ja eh mit Ihrer Unfehlbarkeit, Gevatter Papst, und plädieren für immerwährendes Russisch-Roulett.

 

 Ich wiederum bin der Meinung: „Fickt euch doch ins Knie!“ Ob’s hilft, weiß ich natürlich nicht, aber lebensverlängernd wäre es für diesen und jenen wohl.

 

 Gut, liebreizende Lesewesen, ich weiß wohl, daß es die Kampagnen-Macher von Gottes Gnaden anders gemeint haben, aber könnten sie nicht wenigstens einmal a) ein bissel Verstand und b) ein bissel Sprachgefühl walten lassen. Oder einfach einen fragen, der beides hat, z.B. … (…und hier dürft ihr nun in Handarbeit auf eurem Bildschirm einen Namen eurer Wahl aufbatiken).

 

 Es sind doch wahrlich nicht die schlechtbezahltesten Leute, die für die Findung solcherlei Slogans herangezogen werden. Und trotzdem kommt meist ein derartiger Müll heraus. Fuck off!

 

 Apropos Müll: Gestern lauschte ich, per Auto zum Frühstück meiner Wahl huschend und somit dem Klima an sich den endgültigen Todesstoß versetzend, dem öffentlich-rechtlichen Spaßmacher- und Kalauer-Funk namens „MDR info“. Mal ehrlich, ich kenne alle anderen Inforadios im Land aus eigenem Erhören, aber sowas gibt’s (Gott sei Dank! – und da ist er wieder mit im Spiel, der Allmächtige) nur in Sachsen (eingeschlossen Sachsen-Anhalt und Thüringen, aber das ist ja für die Nicht-Ostdeutschen eh alles Sachsen)! – Und was vermeldete der Jingle-Weltmeister der ARD per nichtqualifizierter Sprecherin: Die Gerichtsverhandlung gegen zwei vermutliche Täter bei einem Geld-Überfall habe begonnen!

 

 Nicht genug, daß bei diesem Sender nicht nur „Außenreporter“ dem Heimat-Idiom unheilbar verfallen sind und auch Studio-Sprecher zumeist so artikulieren, als ob sie per Spracherkennung ihren Geburtsort erraten lassen möchten, nun heben sie auch noch neue Straftaten aus der Taufe: Geld-Überfall! Wenn es mal nicht bald einen Tot-Mord zu behandeln gilt. Ich glaube Geschlechtsorgan-Vergewaltigung ist auch nicht erlaubt.

 

 Keine Sorge, DIESER Sender prangert jene schlimmen Dinge beinhart an. Und leicht säch’sch doahergeloabert glingt’s ooch nich mähr so schlümm.

 

 Ich aber sollte all dem vielleicht nacheifern, Sprache Sprache sein lassen, auf Grammatik und Ausdruck pfeifen, alle Genitive in den Suizid quasseln und endlich ruhig sein tun. Das täte ´ne Lösung sein können. Einfach mehr Gelassenheit zeigen tun tun. Oder machen?

 

 Solltet ihr ab heute nichts mehr von mir lesen, dann habe ich diese Ratschläge beherzigt oder aber erfolgreich einen Geld-Überfall initiiert. Die Beute rühre ich aber erst in 49 Tagen an. Bis dahin gilt: "Sieben Wochen ohne!“

 

 Mit vielen Grüßen grüßen tut euch

 

Jürgen

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