15.Februar 2007


Ge-löcher

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 beinahe war ich so weit. Und, ganz ehrlich, ich hätte es getan. Mit allen Konsequenzen!! Mutig wie ein Mutant. Mannhaft wie sonst nur Mannesmann(Da hatte mal ´ne Firma die homosexuelle Ausrichtung bereits im Namen, schon wurde sie „übernommen“…). Frech wie Oskar.

 

 Ihr ahnt es bereits, und ihr habt recht: Jürgen wollte sich piercen lassen! Einfach mal was für’n Körper tun. Nicht nur dieser lästige Sport. Nicht nur schmuck sein, sondern auch Schmuck tragen! Dem Schmerz trotzen!! Und dann endlich nicht nur mit den Wimpern klimpern!

 

 Ha, jetzt schreit ihr natürlich gleich entsetzt auf: „Wo, um Himmelswillen, wollten Sie sich piercen lassen, Herr Denkewitz?“ – Und meine glasklare Antwort lautet: Bitte duzt mich einfach.

 

 Doch auch um den eigentlichen Fakt will ich mich nicht drücken: Wo, das wußte ich selbst noch nicht. Mein Problem, ihr ahnt es, wäre meine allzu straffe Haut gewesen. Am ganzen Körper und vor allem im hehren Antlitz kein Fältchen oder Pölsterchen, in das hinein-gepierct werden hätte können.

 

 Eine Herausforderung für die Piercer-Gilde an sich.

 

 Gut, ich selbst kenne die Lösung: Knochen-Piercing. Also keinesfalls MIT Knochen gepierct werden, sondern das edelmetallige Schmuckstück nicht nur durchs Häutchen, sondern gleich mit durch den Knochen jagen. Was bei gebrochenen Gliedmaßen aus medizinischen Gründen gemacht wird, sollte doch auch für die Körperverschönerung zum Einsatz kommen können, oder?

 

 Klar ist: Ich hätte die Narkose verweigert, um alles haut- und vor allem knochennah zu erleben. Und um es euch dann in (knochen-)markigen Worten berichten zu können.

 

 Aber die Konjuktiv-Häufung in den letzten Sätzen läßt euch auch resigniert feststellen: Da kam bestimmt was dazwischen… Und genau so ist es.

 

 Denn ich hörte jüngst in meiner Männergruppe von Sachen, denen ich mich dann doch verweigern möchte: Gruppen-Piercing. Im Team! Allein darf man, glaube ich, gar nicht mehr.

 

 Ich aber wollte etwas Besonders für euch darstellen. Nicht so’n Mannschafsspieler. Nö. Ein Einzelkämpfer. Im-Team-Piercing – nicht mit mir! 

 

 Das würde ja unter anderem bedeuten, daß Herr Rösler dann den gleichen Schmuck trüge wie ich. Und dies wiederum ginge schon aus zweierlei Gründen nicht: Erstens könnte er sich das gar nicht leisten, und zweitens fahren Frauen auf gepiercte Diplom-Ingenieure dermaßen ab, daß wir Zwei das nicht zulassen würden. Frau Rösler und ich.

 

 So bleibt mein Leib also weiterhin, wie ihn Gott (in einer seiner wenigen Sternstunden) geschaffen hat. Gesalbt und gebenedeit.

 

 Ihr aber habt ab jetzt das Privileg, genau das zu tun, was den Piercern dieser Welt versagt bleibt: Ihr dürft mich löchern! Mit Fragen. Vor allem aber mit Fragen jeder Art. Vielleicht kommt ja so mal ein wenig Bewegung ins ach-so-darbende Gästebuch dieser Hompeetsch.

 

 Nicht immer nur E-Mails an den straffen Jürgen losschicken, sondern auch mal in aller Öffentlichkeit verkünden: „Schlimm, daß es sowas gibt!“

 

 Und nach diesem Kommentar zu Waldemar vielleicht auch noch ein, zwei begeisterte Sätze über mich einfügen.

 

 In Erwartung all dessen, was nun auf mich einschwappen wird, trinke ich erstmal einen. Oder zwei.

 

 „Herr Ober, zwei Pierc bitte!“

 

Team-Player Jürgen

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