11.Februar 2007


Grau in Grau...

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 

 irgendwie erscheint mir die Welt heute ziemlich grau. Und bei mir ist das relativ selten. Früher hieß es (in der DDR): „Max braucht Wasser!“ Heute wäre ein „Jürgen braucht Trost!“ angebracht. Aber wer „brauchen“ ohne zu gebraucht, sollte „brauchen“ besser nicht gebrauchen. Dann also: „Jürgen braucht Trost zu!“

 

 Jemanden zu-trösten. Ja, das könnte es geben. Zugelabert wird man ja auch hie und da. Bzw., und da schließ ich mal von mir auf andere: Man labert selbst gnadenlos auf die wehrlosen Mitmenschen ein.

 

 Draußen ist alles so grau, daß es einen graust. Zu Mittag gab es Grau-pen. Direkt als „Essen auf Rädern“ aus dem PEN-Club. Von diesen ganzen verschlafenen Typen dort zubereitet, den sogenannten Pennern. Sind ja alles Schriftsteller, aber mal ehrlich: Wann, wenn überhaupt, kippt so ´ne Schrift schon um, auf daß sie wieder aufgestellt werden müßte. Ergo: Nüscht zu tun. – Penner.

 

 Dann las ich vorhin zur Erbauung ein Buch von Herrn Rie, Vorname Theo. Und auf der Klappseite im Schutzumschlag gab es auch ein Foto vom Autoren, das als Sprichwort-Bestätiger fungierte: Grau ist alle Theorie. Stimmt Haar-genau.

 

 Andererseits könnte dies aber auch ein Ausruf sein, den Herrn Ries Frau, die Malerin, bei ihrem Brot-Erwerb gen Gatten schleudert, um ihn zur Nachschub-Bringung zu animieren: „Grau ist alle, Theo Rie!“

 

 Grau-pel wird es heute wahrscheinlich auch noch geben. Gut, das hätte den Vorteil, daß ich mir dann noch Grau-Pel-Kartoffeln kochen könnte. Was wiederum in Sachsen kein Gericht für die Gutsituierten ist, eher so ein Hunde-Fraß: Bell-Kartoffel.

 

 Der Franzose hingegen lobt mit diesem Ausspruch den Erdapfel: Bellkartoffel. – Grausam! Oder aber, um im Französischen zu bleiben: Gris.

 

 Jener wiederum schmeckt mir mit Zucker und Zimt immer noch so gut wie als Kind. Obwohl ich gar keinen Zucker habe. – Ich bin kerngesund! Und trotzdem irgendwie süß. Wahrscheinlich, weil ich mich „bio“ ernähre. Alles aus ökologischem Anbau, fotografie-gleiches Gemüse als Ertrag meines Dia-Beetes.

 

 Aber man soll keinerlei Scherz mit Krankheiten treiben. Obwohl ich gestehen muß: Das liegt mir. Fern. Höchstens könnte man noch erwähnen, daß noch schlimmer als Zucker wohl der Würfel-Zucker sein muß. Diabetes und Brechreiz – kein schönes Leben. Da graut’s einem.

 

 Viele sehen den Alltag ja auch Grau in Grau. Da wiederum drängt sich die Frage auf: Möchte man das wirklich sehen? Denn es gibt es bestimmt: das Ehepaar Grau. Und von diesem erhoffe ich hiermit äußerte Diskretion. Tut es, aber laßt nicht zugucken.

 

 Morgen muß ich, ob der in dieser Woche täglich anstehenden Kinderveranstaltungen (Es faschingt gnadenlos!) ziemlich früh raus. Ins Morgen-Grauen. Warum eigentlich Morgen-Grauen, aber Abend-Dämmerung? Und vor allem: Warum Mittags-Schlaf? Und, was noch unerklärlicher erscheint: Warum, um alles in der Welt, Nacht-Eule?

 

 Ich werde mich nun wohl in meiner Sonntags-Verzweiflung mit allen zusammentun, denen es ähnlich geht. Laßt uns einen Bund gründen. Hauptsitz Graubünden. Sowas schweizt richtig zusammen. – Ein Wortspiel-Grauen.

 

 Dafür gehört man eigentlich in den Knast. Aber nicht etwa in irgend so eine neumodisch farbenfroh hergerichtete Vollzugsanstalt (Ein überaus blödes Synonym für Bordell, finde ich…), sondern in die aus ostzonalen Vorzeiten bekannte Grauen-Haft.

 

 Oh! Was ist das? Was höre ich da draußen vor meinem Fenster??? Vogelgezwitscher!!! Mein Gott, kommt er schon, der Frühling??? Ist’s die Lerche?? Oder gar die Nachtigall????

 

 Scheiße: ein grauer Star.

 

Starre Grüße von

 

Jürgen

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