2.Februar 2007


Der nahe Tod (...oder fast 38 Grad Fieber)

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 der Februar fing gut an. Ringsherum werden Horror-Szenarien in bezug auf die Erd-Erwärmung in die Medien gepeitscht, um von der Kälte im Alltag abzulenken. Darob aber, daß ich mich erwärme, schert sich keine Sau. 

 Und wie ich mich erwärme. Ungewollt. Auf mindestens 38 Grad!!! Das ist nicht etwa nur Fieber – das ist schon beinah fast bis ganz und überhaupt: der sichere Tod.

 Frauen würden um sowas ein Gewese machen, was man sich lieber gar nicht vorstellen möchte. Mitleid heischen. Andere auf die eigene Unpäßlichkeit hinweisen. Vielleicht sogar übertreiben und den nahen Tod an die Wand malen… Halt Frauen… Aber: Halt, Frauen! 

 Wir Männer, und ich denke da vor allem an mich, sind da nicht nur anders, wir sind vollkommen, ja völlig, absolut und überhaupt diametral entgegengesetzt. Denn wir haben sie: die Nehmer-Qualitäten. Bei Frauen wird das als Kleptomanie abgetan…

 Nie und nimmer käme beispielsweise ein Mann wie ich - um nicht zu schreiben: ein Kerl wie ein Baum, ach was, wie ein Wald, ein Urwald – auf den Gedanken, die Tatsache erhöhter Temperatur auch nur zu erwähnen. Mann macht einfach weiter wie bisher: hart und unerbittlich gegen sich selbst.  

 Auch bei 37,3 Grad Celsius, also eigentlich bereits kochendem Blut, bewahrt er selbiges ruhig.

 37,5 Grad – ein Lächeln umspielt seine bereits todesblassen Lippen, während er Frauen die Türen aufhält. 

 37,7 Grad – also dem Schnitter bereits Auge in Auge gegenüberstehend, wird er nur folgenden, an Selbstverleugnung kaum noch zu überbietenden Satz in Richtung Gespielin hauchen: „Hast du alles, Liebling?“

 38 Grad – nun ist er totgegangen!  

 Seine Umwelt hat es noch nicht registriert, aber er weiß es: Nicht seine letzten Tage stehen an, es sind die letzten Minuten! Todesmutig schleppt er sich ein letztes Mal an seinen Pomputer, um Abschied zu nehmen. 

 Abschied von all denen, die ihm so viel bedeuteten: …und niemand fällt ihm ein. - Herr Rösler, der gerade eben das Heim des Todgeweihten verließ, hat sich wahrscheinlich angesteckt und würde eine Würdigung seiner sowieso nicht mehr lesen können. Deshalb bleibt selbst er, der treue Freund aus Kindertagen, unerwähnt. 

 Die Frauen, die ihm Minuten, ach was, Sekunden seines Lebens versüßten? - Wer kennt noch ihre Namen…? Die BH- und Slip-Größen hätte er parat. Doch es wäre pietätlos, diese hier preiszugeben. Einen Hauch von Unterwäsche sollten die bald zutiefst Trauernden allerdings ins Särgchen werfen – als nekrophilen Fetisch…

 Die Eltern? – Oh, da heißt es, ihnen ein letztes „Valet!“ zuzurufen. Immer waren sie für ihn da. – Doch nun können auch sie ihm nicht mehr helfen… Bei 37,7 Grad! 

 Bei 37,7 Grad? – Das Fieber sinkt? Möchte der Tod nun auch noch seinen Schabernack mit mir treiben und mich erst hoffen, dann aber um so schneller verbleichen lassen? – Ich werde Gevatter Hein nicht auf den Leim gehen.

 Abschied, Freunde! Lebet wohl! 

 37,3 Grad Celsius… Nun sterben wir wahrscheinlich beide: das Thermometer und ich. Denn es zeigt Temperaturen an, die sieben bis acht Grad unter den gefühlten liegen.

 Wird Deutschland Handball-Weltmeister? – Meißelt mir die Antwort auf meinen Grabstein. 

 Ich grüße euch alle ein letztes Mal. Das Thermometer zeigt 36,8 Grad Celsius. Gleich erfriere ich…

 Vergeßt bitte nie, was wir füreinander empfanden, und betet für 

Jürgen

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