18.Januar 2007


Der Russe kommt!

Geliebte Lesende, geliebter Lesender, 

 der Russe kommt! Teilweise ist er schon da. Ohne anzuklopfen!! Stürmt einfach so rein… 

 „Kyrill“ – wie sonst hätte dieses stürmischte aller stürmischen Tiefs wohl von den Meteorologen getauft werden können? Konstantin? Denn so hieß jener Kyrill bis kurz vor seinem Tode. Das ging ihm dann aber wahrscheinlich auf den Wecker – und er nannte sich aus unerfindlichen Gründen Kyrill. Laut Wikipedia, dem allwissenden Luder. 

 Ihm, also Kyrill, und seinem Missionars-Kumpel Method verdanken wir ja die kyrillische Schrift, die folglich ebenso gut auch methodische Schrift oder gar konstantinische Schrift hätte heißen können! Schwein gehabt! Denn es klingt ja wohl ausgemacht gebildet, wenn unsereiner gegenüber den in den Altbundesländern herange- und teilweise ver-zogenen Mitbürgern lapidar äußert: „Ich bin des Kyrillischen mächtig!“ 

 „Oha, ein ostdeutscher Bildungsbürger!“ lobpreist so manch auf lateinische Schriftzeichen beschränkter Alt-Bundi mit anerkennend hochgezogener Augenbraue. Und recht hat er. Nur: Gebrauchen kann man das kyrillische Zeichen-Wirrwarr kaum noch. 

 Ok., wird huldigen in hiesigen Landen dieser Schriftzeichen in der warmen Jahrszeit mit vielen, vielen privaten Kyrill-Festen. Dann klatschen wir Gammelfleisch auf heiße Roste und warten ab, zu welch herrlichen Schriftzeichen es sich im Rahmen seiner Verkohlung verzieht.

 „Oha, ein Tscha!“ hört man sommers oft in ostdeutschen Landen. Oder gar: „Ich werd’ schwach – ein Mnjachkisnjach!“ Irre. 

 Wenn das Nahrungsmittel dann farblich in die Nähe der Druckerschwärze „gereift“ ist, wird es genüßlich verzehrt. Die Töchter des Hauses müssen dazu, um Bildungsbürgertum vorzutäuschen, etwas aus dem Werk des großen Dichters Kyrillparzer vortragen. Und leise zirpen dazu die Kyrillen im Grase. – Himmlisch… 

 Nun aber kommt Kyrill persönlich, und ich finde, das ist kein Grund, solch einen Wind zu machen. Einhalt, fremdbuchstabierender Blasebalg. Ich möchte heute abend noch zum Squash, bin aber nicht sicher, ob ich dann im Auto den vorüberfliegenden Bäumen ausweichen kann. Vielleicht irrlichtern sogar Mitbürger durch die Lüfte. Und um die wäre es wirklich schade. Um die Lüfte.

 Um die Lifte natürlich auch. Und diese sind im Bergland bereits außer Betrieb gesetzt worden. Manch alter Sessel, der nochmal auf jung machen wollte, steht nun faltig und ungeliftet rum und verfaßt Protestbriefe. Auf kyrillisch. 

 Ich aber sage: „Srasdwuitje drug Kyrill, aber mach mal halblang. Blas dich nicht so auf. Wehe!“ – Was in diesem Fall das Gegenteil von „Wehe!“, also der Aufforderung, Sturm zu blasen, bedeuten soll. Also: Wehe, du wehst. 

 Außerdem behaupte ich, umtost vom Kyrill, vehement, daß kein Grund zur Sorge besteht: Der Russe ist bislang ja auch immer wieder gegangen! Manchmal erst nach mehr als 40 Jahren. Aber was sind schon 40 Jahre, wenn wir mal die Zeit, die allein seit dem Pleistozän vergangen ist, in Betracht ziehen? – Ein Windhauch… 

 Russtikale Grüße vom windigen  

Jürgen

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