7.Januar 2007


Gestöpselte Indianer

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 alles im Leben hängt irgendwie zusammen. Leider. Beispielsweise gestern mein Waschbecken und dessen Stöpsel. Untrennbar. Und auch ich hing. Durch.

 Denn selbst mit einem Messer gelang es mir nicht, den blöden Verschluß, der ja eigentlich wieder nach oben gleiten müßte, wenn man den hinter dem Wasserhahn angebrachten Hebel betätigt, wieder anzuheben. Kein Messer half. Da versagten selbst Gabel, Schere und Licht.  Das Ding saß fest. Und ich stand rum. Dumm. 

 Nun gut. Viele,  die mich kennen, erlebten mich nie anders. Aber ich selbst fühlte Grimm gegen diese geheime Verschlußsache im Waschbecken in mir wachsen. Da ich handwerklich nicht nur begabt, sondern schon beinahe talentiert bin, nahm ich die Sache selbst in die Hand – und rief den Klempner an. 

 Ja, den mit den Saugglocken aus "Jürgens Welt" vom 28.Oktober vorigen Jahres. Und auf dessen Ratschlag hätte ich, bei einigem Nachdenken, auch selbst kommen können. 

 Denn wir Menschen sind ja nicht umsonst Säugetiere. Säugen und Saugen, das ist es doch, was uns ausmacht. War es nicht Eva, die damals den alten Adam mit dem ersten Gedicht dieser Welt verblüffte, als sie zum gemeinsamen Sohn sprach: "Ich werd' dich jetzt säugen, Eugen!"? Der Reim als solcher ward geboren!! 

 Adam konterte ehedem geschickt mit "Ich kann nicht säugen, aber zeugen!", doch das gehört schon nicht mehr hierher. 

 Denn im Gegensatz zu Adam, scheint so ein Klempner-Dasein nur aus Saugen zu bestehen. Ich vermeine sogar, daß man in der Klempner-Abschlußprüfung mit dem Satz "Saugen hilft immer!" nie und niemals durchfallen kann. Und so riet mir denn der Klempnermeister, dem ich telefonisch mein Unbill schilderte, es doch mal mit einem Pfeil, den die Kinder zum Indianer-Spiel benutzen, zu probieren. Dessen Saugkopf könnte mir helfen, das Waschbecken zu entstöpseln… 

 Dummerweise habe ich bereits vor mehreren Jahren meinen Kescher leergeschossen, und selbst mein vermeintlich nicht mehr benötigter Bogen ist abhanden gekommen. Wahrschein bei einem Cowboy-Überfall, wie es ihn ja in Leipzig tagtäglich mehrfach gibt. So ist es halt im wilden Osten… 

 Aber ich habe ja in der Schule das gemacht, was auch alle Indianer gern tun, nämlich: gebüffelt. Und somit bin ich bereits so klug, daß mir ein weiteres saugendes Objekt allgegenwärtig war: der Saug-Haken. In der DDR hatten wir fast nur solche, und Handtücher hielten sich an eben jenen manchmal gar stundenlang, bis sie samt Haken auf den Boden der Realitäten stürzten. 

 So machte ich mich zum Haken-Erwerb auf. Dummerweise zu "Schlecker". Bei "Sauger" wäre ich bestimmt besser dran gewesen, denn "Schlecker" hatte solcherlei Haken nicht zu bieten. "O bi-ete mit Saughaken, Gott!" flehte ich und raste weiter zu "Obi". 

 Und dort bot man ihn mir feil, den guten alten Handtuchhalter, welcher sich am Flieslein festsaugt. Ich habe jetzt vier davon, denn ein Haken allein – wie soll da der Biber auf seine Kosten kommen? 

 Daheim gab es dann nur eins: Ich schlüpfte sofort in meinen Blaumann, setzte meine Klempner-Kappe auf, spukte in die Hände und auf den Haken, setzte diesen auf den festgewachsen scheinenden Stöpsel – und schon nach drei Versuchen hatte ich uns drei befreit: den Stöpsel vom Waschbecken, das Waschbecken vom Stöpsel und mich von einer Last. Dank Saug-Kraft. Die Sache hatte mal im positiven Sinn einen Haken. 

 Die Krönung des Ganzen aber erlebte ich am Abend gegen 23.30 Uhr, denn da lernte ich Anne kennen. Und Anne studiert Indologie. Und wie nennt man die Menschen, die da be-studiert werden? Nein, nicht Indioten, sondern INDIANER!!! 

 Daran glaube zumindest ICH ganz fest. Da konnte Anne mir mit ihrer "indernen" Version von den Indern nicht imponieren. Ich sah nur noch Pfeile. Mit Saugkopf-Spitzen. Der Kreis hatte sich geschlossen und der Tag einen Sinn.  

 Alles hängt zusammen. Was zu beweisen war. Ich hänge jetzt sogar ab. "Ich hänge – du Hengst!" überraschte ich neulich ein Pferd. Das lief sofort von dannen. Zu Tom Hengst. Immer diese blöden Schauspieler. Als alter Indianer drohe ich ihm hiermit Prügel an. Mit einem Tomahawk! Ich mache Hawk-Fleisch aus ihm. Und wenn er schreit: Stöpsel ins Brülle-Mäulchen. Ich habe da gerade einen zur Hand… 

 Unzusammenhängende Grüße von 

Jürgen

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