3.Januar 2007


Kleckernd Klotzen

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

  irgendwo las ich dieser Tage ein Motto fürs neue Jahr, das mich nachdenklich stimmte: „Nickt kleckern, sondern klotzen!“

  Wie man kleckert – wer würde das wohl besser wissen als ich, der ich von nicht wenigen, ich denke da zuallererst an meine hier viel zu selten erwähnten Eltern, als „Kleckerer vor dem Herrn“ bezeichnet werde. Schlecht für den Herrn, denn wenn ich hinter ihn (ihm?) kleckern würde, bräuchte es ihn nicht zu scheren. Aber dafür hat er ja sowieso seinen Coiffeur…, diesen Schergen.

  Auf ihn zu kleckern wäre auch ´ne Alternative, aber da heißt es vor allem: treffen. Und unter Zugzwang möchte ich mich nicht setzen. Ich bin doch nicht Mehdorn!

  Obwohl ich beim Kleckern schon ziemlich sicher im Treffen bin, denn das Ziel ist immer bei mir: ich. Zeitweise beschäftige ich auch Ein-Euro-Jobber, die mein Gekleckere bejubeln müssen: Klecker-Claqueure!

   Nun soll aber in diesem Jahr geklotzt werden. Das ist doch mal ´ne Aufgabe, an der man sich abarbeiten kann. Und wie klotzt man? – Ran! Weiter nüscht! Nur ran!! Nicht schnell, nicht energisch, nicht vehement, nicht explizit, nö: nur ran. Kann doch nicht so schwer sein.

  Ich habe es heute mittag im Café mal versucht und mich einer schlanken Blondine genähert. Erst mal mit Blicken. „Gleich klotz ich ran!“ dachte ich gerade, als sie mich, im feinsten Sächsisch, abmahnte: „Eh, Düb, klotz nich so!“

  Eine Konsonantenverschiebung der hier durchaus gängigen Art. Nur daß ich ein „Düb“ sei, war mir bislang nicht bewußt. Wäre meine eventuelle Partnerin dann ein „Dübel“? Ist das hier dübisch bzw. düb’sch? Keene Oahnung…

  Allerdings erscheint mir nun auch obige Aufforderung zu klotzen in anderem Licht bzw. Idiom. – Hier wurde der Sachse als solcher angesprochen. Es möge gefälligst sein Glubschoogen uffmachen und alles genau beguggen bzw. beklotzen. Allerdings ohne zu „gläggern“! Und hier beißt sich die Katze wieder in den Schwanz, denn kee Soachse sacht „kleckern“. Mir gläggern.

  Das alles macht mir das Jahresmotto immer unheimlicher. Soll hier eine Dialektbrücke geschlagen werden? Aber was hat die Brücke uns getan, womit hat sie Schläge verdient? Hat sie gekleckert? Wie gerade eben ich beim Espresso-Trinken bzw. -Verschütten?

 Ratlos grüßt euch euer Klotz am Bein 

Jürgen

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