13.November 2006


Herbstliches Peitschen

 

Geliebte Lesende, geliebter Lesender,

 was’n da draußen los? Regen peitscht, Sturmböen peitschen ebenfalls, sogar die kalte Luft peitscht! SM in der Natur???

 

  Da kann ich ja meine neue Peitsche, die ich so gern in einem gemütlichen Stündchen an Herrn R. ausprobiert hätte, gleich wieder einmotten. Jetzt, wo er schon auf dem Weg zum Musiker-Kollegen gepeitscht wird… - Schade um das schmerzverzerrte Gesicht. Ich hätte es genossen!

 

 „Dann peitsch' doch Ponys!“ schreit da mein zweites Ich aus dem Hintergrund, und ich kann nicht sagen, daß ich abgeneigt wäre. Das ist doch die absolute Rache des Früh-Erkahlten: Frisuren-Peitschen! Statt sinnloser Fransen zieren dann geschmackvolle Striemen die Stirn des Gemaßregelten… Fein!

 

 Wen noch peitschen? – Eltern! Und zwar für die „Erziehung“ ihrer Kinder. Denn leider schaute ich mir, grippal geschwächt und deshalb wohl nicht ganz Herr meiner Sinne, die Famílien-Folge von „Wer wird Millionär?“ an. Alle Sippen, die es auf den ominösen Stuhl bzw. die ominösen Stühle schafften, hatten ihre vor Gier zittrigen weiblichen Nachkommen dabei: Töchter! Und alle wollten: ein Pferd! Obwohl sie noch nicht mal ´ne Peitsche hatten, wie ich mal vermute.

 

 Aber was sich im Antlitz der Unter-Zehnjährigen bei steigenden Gewinn- bzw. Verlustsummen so abspielte, wie Geschwister-Haß und Gier immer deutlicher wurden und das Wort „Teilen“ regelrechte Pestbeulen hervorrief – ausgesprochen niedlich. Und der Einzige, der immer wieder versuchte, den verzogenen Gören kleine Brücken hin zum Sympathischen zu bauen, war der nette Herr Jauch. Mutti, Vati, Oma und Opa waren mit Gewinnen beschäftigt. Und teilweise, zugegebenermaßen, auch einfach doof.

 

 Der Doofste war natürlich ich, denn ich guckte zu. Bis zum bitteren Ende. Dann nahm ich die neue und, wie gesagt, eigentlich für Freund W. gedachte Peitsche und geißelte mich selbst. Für die versaubeutelten zwei Stunden Lebens.

 

 So schöne Sachen hätte ich in dieser Zeit machen können: zum Friseur gehen, Pferde züchten, Herrn Jauch heiraten oder Lieder über Kinder, die jegliche Dimensionen im Anspruchsdenken verloren haben, schreiben.

 

 Doch all dies tat ich nicht, sondern ging in mein Gestüt und peitschte meine Araber-Herde. Verbal. Und voran. Das alles mit den Worten: „Laßt euch nie von Kindern kaufen!“

 

 Ein zustimmendes Wiehern traf auf

  

Jürgen

Copyright © 2005-2006 Design by ITS-NETWORK.NET
Sie sind Besucher Nummer: 165078
JW-admin | News-admin