10.Oktober 2006


Mein Gott!

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

ich werde ganz schön unter Druck gesetzt! Ehrlich! Und wer ist mein Drucker: der allseits bekannte Waldemar, von mir auch Herr R. genannt.

 Bislang war alles so schön einfach. Und normal. Vor allem aber: geregelt. Entfleuchte meinem teilweise ganz sicher nicht normgerecht verkabelten Gehirn ein Liedtext, setzte ich mich hinterher samt Gitarre nieder und vertonte das Konglomerat meiner Ideen. Ja, ich weiß – mehr schlecht als recht. Mit einigen Ausreißern nach oben und unten.

 Immer öfter griff ich deshalb nach Herrn R. und damit mir selbst unter die Arme, indem ich ihm den Text vors gierende Auge hielt und Folgendes ins aufnahmebereite Antlitz lautierte: „Die Musik für den Refrain ist fertig, mach du mal was für die Strophe…“ – Und er machte. Machen kann er übrigens gut. Später sogar ganze Musiken für Texte, zu denen mir musikalisch nun gar nichts einfiel. Irgendwie macht-besessen, der Waldemar.

 Nun aber setzt er mich dermaßen unter Druck, daß ich mich frage: Macht man denn sowas? Oder besser: Macht Mann denn sowas? – Er macht’s:

Wirft mir am Sonntag eine Melodie vor die Füße und fängt dann seinerseits an, verbale Aufforderungen zu artikulieren: „Mach doch da mal ´nen Text zu!“ Selbst mein Einwand, daß man einen Text weder auf- noch zumachen kann, ließ er an seiner stahlharten Miene abblitzen. Blitz!

 Mönsch! Noch eine Woche und zwei Tage bis zum neuen Programm in unserer Geburtsstadt D., und zwölf völlig neue und von uns noch nie öffentlich gespielte Lieder harren der Ohren der Ohr-Einwohner – das ist wahrlich genug, zumal die Liedlein noch gehörig geprobt gehören. Doch nein: Nun sind es 13! Danke, Herr Rösler!

  Das kann nicht gutgehen. Also bin ich nun wiederum gezwungen, ein vierzehntes zu schreiben. Lied natürlich, nicht etwa Suizid-Begründungs-Verdikt.

 Und das bedeutet: Druck!

 Deshalb mache ich heute erstmal gar nichts, fahre auf einen Espresso in die Stadt, lasse es mir gutgehen und ignoriere Herrn R., der tagsüber sowieso auswärts ingenieurt. Pardon: diplom-ingenieurt. Morgen aber, wenn wir uns wieder ins Antlitz blicken, er also, wie es sich gehört, zu mir aufschaut, werde ich ihn mit Textmaterial zuschütten, das er dann auswendig lernen muß.

 Das liebt er! Viel Text! Das hat er richtig gern!!! Davon kann er nie genug bekommen! Das setzt ihn gewaltig unter Druck!!! Mächtig gewaltig!!!! Da hat er dann keine Zeit mehr, noch mehr Melodien herausfordernd in meinen derzeit von Instrumenten übersäten bzw. zugemüllten Wohnbereich hineinzuventilieren.

 Vielleicht mache ich dann aber auch noch einen auf versöhnlich und mindere den Druck. Durch Drücken. Ans Herz. Sollte danach einer von uns beiden an Herzdrücken verscheiden, werde ich W. eine schöne Trauerfeier zelebrieren. Mit Texten von mir. Und Musik von ihm. Das macht so munter, daß er der Erste sein wird, der nicht etwa nur aus dem Sarg wiederaufersteht, sondern sogar aus der Urne. Zwar aschfahl (Ha!), aber immerhin wieder unter uns, der Waldi.

Das macht ihn dann zu einer Art neuem Gott. Und so haben wir auch gleich die ganzen Religionsprobleme dieser Welt nebenbei mitgelöst. Waldi ist Gott!!!

 An Gott glaubend und wie immer an ihm verzweifelnd, zumal ich ja jetzt weiß, wie er aussieht, grüßt euch

Papst Jürgen

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