27.September 2006


Dema-, aber unpädagogisch

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

ja sowas gibt es: Nachdem euer kleiner Racker heute erst um 7 Uhr vom Düsentriebwerk, oder was die Bauarbeiter in meiner Straße auch immer benützen mögen, um ihre Maschinchen zu betreiben, geweckt wurde, schellte er bereits kurz vor 10 Uhr in der Dahlener Mittel- und Grundschule an einer Klingel. Und klingelte. Und klingelte nochmal. Immerhin stand neben dem Klingelknopf „Mittel- und Grundschule“, und in der Aula eben dieser Schule sollte um 10.15 Uhr das Kinderprogramm mit dem berühmten Leipziger Liedermacher J. im Rahmen der „Sächsischen Literaturtage“ für die Kinder der ersten und zweiten Klasse beginnen.

Ich klingelte immer noch, als aus dem Lautsprecher ein Krachen und Krächzen erschallte: „Rülps!“ Darauf ich, wohlgelaunt und –gemut: „Der Liedermacher für das Programm in der Aula – würden Sie mich wohl einlassen?“ Die Antwort lautete: „Rülps – gerade Pause – andere Tür offen – rül…“ – Ruhe. Unverdrossen schellte ich ein weiteres Mal und unterbrach das sich wieder bahnbrechen wollende Gerülpse sofort mit „Drücken Sie doch bitte mal den Tür-Öffnungs-Knopf!“ – „Rülps – gerade Paus…“ – Ruhe!

In diesem Moment, gerade als sich Zweifel an meiner Kommunikationsfähigkeit in mir breitmachen wollten, öffnete sich die Tür. Von innen. Und nicht etwa von Zauber-, sondern von Lehrerinnen-Hand.

„Oh“, scharwenzelte ich, „Sie sind aber lieb! Ich bekam nämlich die Tür nicht auf!“ – „Geht nur von innen“, wurde ich dermaßen angebärbeißt und noch dazu mit bösem Blick bedacht, daß ich samt Gitarrenkoffer und ganz bestimmt gegen den Willen des Leer-Körpers gerade noch so durch die sich wieder schließende Tür huschen konnte. Husch!

Dann gelang es mir doch noch, zwei Lehrerinnen a) zum Aufschließen der Aula zu bewegen und b) mit einem „Sie sind die ersten freundlichen Menschen, die mir in dieser Schule begegnen!“ zu beglücken.

Und drin war ich, in der Aula. – Schön ordentlich. Jeweils eine Schulbank exakt mit je einem Stuhl neben- und hintereinander aufgereiht. Ich wollte aber weder eine schriftliche Prüfung ablegen, noch abnehmen. So begannen dann die mittlerweile herbeigeeilte Bibliotheksleiterin und ich den Umbau, um Stuhlreihen für die Knirpse aufzustellen. Die dann auch schon kamen. Begleitet von ihren Lehrerinnen. Die ebenso erstaunt auf die nicht vorbereitete Aula blickten wie ich.

Teufel noch eins! Hätte ich wirklich eher kommen können, um den Saal veranstaltungswürdig herzurichten. Naja, wird mir nicht wieder passieren. Nächstes Mal bringe ich auch Wisch-Utensilien mit, um hinterher alles fein zu säubern. Man will ja keinen schlechten Eindruck hinterlassen…

Die Veranstaltung mit Kindern und Lehrerinnen brachte natürlich trotzdem viel Spaß, und als ich dann mutterseelenallein mit meinen zusammengepackten Utensilien die Schule verlassen wollte, kam mir gar auf dem Gang ein Kind entgegen, daß unaufgefordert folgendes tat: fröhlich und freundlich „Guten Tag!“ sagen. Muß noch nicht lange an der Schule sein. Oder es hat Sekretariats-Verbot.

Auf dem Weg zum Auto querte mich dann noch eine finster dreinblickende und gen Schule schreitende (marschierende?) Frau, die mich ob meines Outfits und des Gitarrenkoffers gar böse musterte. Vielleicht wollte sie sich an der Bildungsstätte bewerben? Ich aber, der ich bei ihr mit meinem „Guten Tag!“ keinerlei Widerhall fand, sitze nun hier und hoffe, daß es doch nur eine beim Schulamt Beschäftigte war. Also jemand, der mit Kindern nie etwas zu tun hat.

Alle freundlichen Dahlener Pädagogen grüßt

Jürgen

PS. Ich weiß, daß dort Mittel- und Grundschule unter einem Dach sind. Im Zweifelsfall waren es natürlich immer die anderen, die so ein nettes Flair verbreiteten. Da wollte ich denn nicht auch noch nachfragen…

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