25.September 2006


Bau ab!  

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 

 sie haben es wieder getan! Schon wieder! Und was werden sie sich gefreut haben! Vielleicht sogar jubiliert? Wenn sie überhaupt wissen, was das ist… Die Säcke!!!!

 

 6.30 Uhr war es, als am heutigen Morgen die Hölle losbrach. Erst vermutete ich, daß ein Hubschrauber versuchen würde, in meinem Schlafzimmer zu landen. Dann aber, langsam wach werdend, fiel mir ein, daß ich meinen Hubschrauber ja kürzlich verkauft habe und schon seit mehreren Tagen auf meinen schnieken A 380 warte. – Und da wußte ich es plötzlich: die MAFIA! Sie greift wieder an!!! – Und was soll ich sagen bzw. schreiben: Sie war es. Die Bauarbeiter-Mafia!!!

 

 Jahrelang verfolgte ich die Meldungen über die immer mehr abknickende Bau-Konjunktur mit Freude. Allerdings auch mit Verzweiflung, denn die wenigen oder gar vereinzelten Bauarbeiter, die ihres Jobs noch habig waren (irres Deutsch!), haben sich wahrscheinlich die Sanierung aller die Richterstraße 1 in Leipzig umgebenden Gebäude auf die Fahne geschrieben. Und vor allem: Es klingt wie Abriß, wird aber als Sanierung bezahlt!

 

 Ein ganz klein wenig vermute ich aber auch, daß gar nichts bezahlt wird. Es sind die all die arbeitslosen Bauarbeiter, die sich in der und um die Richterstraße treffen. Und diese lärmresistenten Wesen machen dann stundenlang das, was sie am besten können: Krach!

Natürlich nur von 6.30 bis 9 Uhr!

 

 Dann ist Feierabend. Und Ruhe. Dann gehen die Steinestapler und Wändeverrücker schlafen. All diejenigen, die sich (natürlich zu Unrecht, denn der richtige Deutsche steht ja um 6 Uhr auf) einem anderen Tages- und Lebens-Rhythmus hingeben möchten, werden so Stück für Stück erzogen. Das beginnt mit dem in schier unmenschlicher Lautstärke …zigfach gegen 6.25 Uhr gebrülltem „Mooooooooooen!“, was wohl „Na, gut geschlafen, Kollege, nun aber flugs ans Tagwerk!“ heißen soll.

 

 Dann aber werden alle lärmintensiven Maschinen, die irgendwie verfügbar sind, angeworfen. Gib ihm! Und die ganz Cleveren bringen sogar noch ihre Super-Hifi-Stereoanlagen von zu Hause mit und legen, den Lautstärkeregler am Anschlag festgedübelt, ihre Lieblings-CD ein: „Baulärm Vol.4 – Heute lassen wir’s krachen!“

 

 Gut, auch diese Geschöpfe haben ein Recht zu leben. Irgendwie. Aber so’n Wecker kostet heutzutage vielleicht noch fünf Euro. Wer ist da noch auf Bauarbeiter angewiesen? Zumal sie ihre eigentlich Tätigkeit zumeist, ob des sie immerwährend umgebenden Lärms, nicht mal mehr im Geringsten beherrschen. In zwei Jahren harter Forschungsarbeit gelang es beispielsweise keinem der lauthalsen Gesellen herauszufinden, warum eine der Wände meines Heimes näßt. Wurde als „Wunder“ abgetan. Daß die Terrasse untenrum undicht ist, konnte mit folgendem Kommentar ad acta gelegt werden: „Terrasse – das ist immer ein Wasserproblem!“

 

 Ich kann das alles hier in wohliger Ruhe, bei Vogelgezwitscher, blauem Himmel und Sonnenschein in den Computer zwirbeln, denn, und das ist eisernes Bauherren-Prinzip: Ab 9 Uhr herrscht Ruhe. Und Stille. Kein Mucks! Höchstens zwischen 13 und 15 Uhr wird noch mal aufgedreht. Nicht immer. Aber wenn, dann richtig!

  

 Ich jedenfalls habe bis dahin noch ca. drei Stunden Zeit und nutze diese, um das Land zu verlassen. Mich wird es irgendwohin verschlagen, wo gerade ein Bau-Boom ausgebrochen ist, wo die Bau-Konjunktur nur so brummt, wo Bauarbeiter auf Händen zum Arbeitsplatz getragen werden.

 

 Dort, ja dort möchte ich sein. Und die Stille, diese unglaubliche Ruhe genießen. Denn dort wird hundertprozentig gestreikt!

 

 Erbauliche Grüße von

 

Jürgen

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