9.September 2006


Dreimal dreist

Liebe Lesende, lieber Lesender,

 drei Sachen haben mich in den letzten Tagen aus der Ruhe gebracht. Und vier Frauen. Aber von Letzteren soll ich hier nicht berichten, meint meine Mutti. Oder war’s mein Vermieter?

 Dreiste Sache 1: Nachdem ich vor ein paar Tagen mit ein paar Freunden im Kino „Emmas Glück“ erleben durfte, war einem von uns ob des im Film ab und an sichtbar pulsenden Blutes schlecht, die anderen fühlten sich (nicht ob, aber trotz des Blutes) bestens unterhalten.

 Ob denn die Schweine im Film wirklich, also neudeutsch „in echt“, dem Tode anheim gegeben wurden, war eine danach bei Bier, Wein und Blutwurst aufgeworfene Frage, die ich, ahnungslos wie immer, bejahte.

 Wie Freunde so sind, recherchierte nun einer aus unserer Mitte, und verbreitete danach die Erkenntnis: Alles nur ein Fake! Nur so getan als ob! Alle Schweine leben!

 Letzteres wird mir ja jeden Tag bei einem Bummel durchs florierende innerstädtische Leben aufs Neue bestätigt, hatte im Film jedoch den Grund, daß Tierschützer den Filmtod der kleinen Grunzer verhinderten.

 Nun gut, daß der Schauspieler Jürgen (!) Vogel am Ende des Films total blut-intensiv draufgeht, konnte leider nicht vermieden werden. Die Rolle seines Lebens sozusagen. Menschenschützer hätten das Ausbluten des Charakterdarstellers verhindern können. Haben es aber nicht. Armer Jürgen! Sah aber selbst tot noch gut aus…

 Trotzdem: Eine Sauerei! Zumal: ein toter VOGEL! Haben die Tierschützer da gepennt? Oder gibt es die Extrasparte „Vogelschützer“? Und die bereitet sich schon auf den allherbstlichen Überflug gen Süden vor und verliert hiesige Vögel wie Jürgen aus den Augen?

 In memoriam Jürgen: Du hast alles gegeben! Bis auf den letzten Tropfen! Wir werden dich bald vergessen! Oder heißt das „nie“…? Du hast mit Herzblut gespielt! Du Blutsbruder gingst blutjung von uns! Wie ehedem deine „tote Oma“. Guten Appetit!

 Dreiste Sache 2: Im „Coffee culture“ am Leipziger Augustusplatz lasse ich es mir nicht nehmen, bei jeder Bestellung das Kassen-Girl darauf hinzuweisen, daß die links und rechts vom Tresen plazierten Schilder „Jetzt auch mit Soja Milch“ einen Fehler aufweisen, nämlich eines Bindestrichs bedürfen. Und JEDESMAL lautet die genervte Antwort, der Kaffee-Verrechnerin: „Ist doch egal!“

 Nun aber geschah das schier Unglaubliche: Auf einem der Schilder heißt es seit kurzem tatsächlich „Soja-Milch“. Ein Wunder! Aber halt nur auf EINEM der beiden Schilder. Hätte ich jedesmal sagen sollen, daß ZWEI Bindestriche fehlen, also auf jedem Schild einer? Wollen die mich testen? Hat es die Bindestrich-Killer-Mafia auf mich abgesehen? - „Mal sehen, ob ihm das gegen den Strich geht?“

 Vielleicht geh' ich da einfach nicht mehr hin. Auch nicht in den „Blumen Laden“ oder in den „Drogerie Markt“. Es sei denn, der Dealer, also der Drogist, heißt Manuel Markt. Dann sei ihm a) verziehen, was nicht verziehen werden muß, und b) eine bewußtseinserweiternde Bestellung meinerseits sicher, die ihm Umsatz-Rekorde beschert, welche er dann hoffentlich nicht als Umsatz Rekorde im Schwarz Geld Buch vermerkt. Der Schnee-Mann…

 Dreiste Sache 3: Was, um Himmelswillen, mußte ich vorgestern auf Seite 4 der „Leipziger Volkszeitung“ in großen Lettern lesen: „Untreue – Wermsdorfer Bürgermeister verurteilt“. Was ´ne Überschrift!

 Und dann ging es en detail weiter: „Zwei Jahre und acht Monate Haft auf Bewährung wegen Untreue in sechs Fällen lautet das Urteil gegen den suspendierten Bürgermeister von Wermsdorf, Bernd-Dieter Lehmann (CDU).“ All das dann noch gekrönt von einem Foto, das zwar nicht den Akt der Untreue an sich, aber Hans-Dieter Lehmann (CDU) zeigt.

 Verstehe einer die Frauen!

 Seine Frau wiederum kann ich verstehen, denn sie muß ihn ja angezeigt haben. Untreue in sechs Fällen – da ist er mit Bewährung noch gut bedient, werden nun die Ehe-Fetischisten unter uns aufjaulen.

 Ich aber sage: Wenn deutsche Gerichte bereits in den letzten Jahren solche Schand-Urteile verhängt hätten, wäre ich gar nicht mehr aus dem Knast rausgekommen.

 Kann sich die Frau nicht einfach scheiden lassen, wenn der Mann fremdgeht? Muß das alles vor Gericht und in die Öffentlichkeit gezerrt werden? Und dann noch mit DEM Bild! Das diskriminiert doch die die sechs anderen Frauen, die sich, höchstwahrscheinlich notgeil bis zum Abwinken, mit sowas einlassen mußten. Oder eine Frau sechsmal. Aber das kann ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen…

 Ich fühle mit Bernd-Dieter. Dem Bindestrich-Mann. Wahrscheinlich ist er auch noch Bluter!

 Dreiste Grüße von 

Jürgen

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