29.August 2006


Abbitte an einen Freund  

 

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  oh, fällt das schwer! – Muß aber sein!! Also:

 Ich habe Unrecht getan. Ich habe IHM unrecht getan! Ich, der Gerechtigkeitsfanatiker, der Guru aller Verleumdungshasser, die personifizierte Glättungswoge im Meer der zu Unbill führenden Erregungen, die Tangente am Kreis des Wohlwollens. Es erschüttert mich tief, ja tiefer, doch ich weiß: ICH BIN NICHT SCHULD!!! Oder, neudeutsch: Ich bin’s nicht schuld…

  „Hossa, er redet wieder mal in Rätseln!“ werdet ihr jetzt vielleicht denken. Oder gar: „Was hat der denn geraucht?“ – Doch wisset: Ich rauche nicht! Doch bitte ich heute ihn, den ich hier immer nur in ehrender, ja vergötternder Weise zu erwähnen mir erlaubte, auf ein Pfeifchen. Auf ein Friedens-Pfeifchen!

  „Waldemar Rösler, verzeih!“

  Am 3.April trug  es sich zu, daß ich mich hier, in meiner eigenen Welt, vergaß. „Ein Kabel locker“ nannte ich Unwürdiger diese Auslassungen, die in der auf Herrn Rösler bezogenen Frage gipfelten: „Warum läßt man solche Leute überhaupt studieren?“ – Heute frage ich mich: „Warum darf sowas wie ich überhaupt leben?“ und werfe mich vor dem damals, wie ich heute weiß, zu Unrecht der Fehlerhaftigkeit Geziehenen in den Schmutz. Gut, das ist bei mir zuhause nicht sooo schwer, ich muß halt nur irgendwo im Wohnbereich vornüberkippen. Der Schmach, die ich empfinde, verleiht es trotzdem nur unzureichend Gestalt.

  Es war der bayerischen Kinder Ruf „Jürgen, wir möchten deine Lieder hören!“, der mich am Sonntag gen München ziehen ließ. Wie immer begleitet von meinem Auto, das übrigens in selbiger Stadt zur Welt kam. Dort, schien es, wollte es denn auch für immer dahinscheiden, denn bereits 100 km vor dem Erreichen des Kinderlieder-Event-Bestimmungsortes begann es zu kränkeln, ja innezuhalten, sich zurückzunehmen. Ach, die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Schildern links und rechts der Fahrbahn waren keine Aufforderungen zur Mäßigung mehr, sondern stellten Herausforderungen noch oben dar, denen der Wagen (!) nicht gewachsen war. Kurzum: Wir waren die Langsamsten auf der gesamten A 9, mein Auto und ich…

  Doch, Glückes Geschick, wir kamen immerhin noch an, erfreuten die dortige bajuwarische Kinder- und Elternschar, wurden jedoch vom nicht helfen könnenden Automarken-Service gewarnt, einen Heimfahrt-Versuch zu starten.

 Da ein Kolumnen-Schreiber meines Formats überall auf der Welt Freunde hat, stellte die Übernachtung kein Problem dar (Danke nochmal an Regina und Steffen für den Schlüssel zum Obdachlosenheim…), und schon 6 Uhr am nächsten Morgen stand ich dort, wo man sich eigentlich hinlegen, zumindest aber setzen sollte: vor der Niederlassung der Automarke.

  Nein, ich möchte das Hin und Her, das Ob und Wie der Möglichkeit, die Karre noch am gleichen Tag wieder fit zu bekommen, nicht schildern. Ich war aber, scheint’s, überzeugend. Kostenvoranschlag 2000 €! Da wußte ich, warum es Niederlassung heißt. Ich ließ mich.

  Heftige Vermutung der Werkstatt: die Injektoren seien es. Guck an! Das Wort hatte ich schon mal gehört. – Dann aber gegen 16 Uhr Entwarnung von allen Seiten: Erstens – Auto repariert. Zweitens: Es waren nicht die Injektoren, sondern nur ein kaputter Kabelbaum, was sich in einer Rechnung von 200 € niederschlug. „1800 € gespart!“ würde nun jedes Kaufhaus im Lande für die Doofen unter uns plakatieren…

  Ich war sehr froh, doch keimte im Hinterkopf, also im behaarten Teil meines Schulter-Zierers, ein gar schröcklicher Gedanke: Das hatten wir doch schon mal! Der gleiche Fehler am Auto! Vor vier Monaten! Und Herr Rösler wagte es damals, lapidar zu mutmaßen: „Das kann nur ein lockeres Kabel sein!“

  In meiner Heimatwerksatt wurden jedoch defekte Injektoren diagnostiziert, wobei sie nur einen der sechs auswechseln konnten, da nicht genügend auf Lager waren. „Die anderen müssen aber auch bald dran glauben!“ gab man mir mit auf den Weg.

  Dies nun in der Münchener Werkstatt zur Sprache bringend, mußte ich die Antwort „Das wäre sicher alles nicht nötig gewesen!“ über mich ergehen lassen.

  Was aber scherte mich in solchem Moment pekuniärer Verlust, wo ich einem Mitmenschen Unrecht angedeihen ließ,  der mir sein Ingenieurswissen unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte. Spott, Hohn, ja Herablassung prasselten auf ihn nieder! Ich machte ihn, was ich nun bin: fertig!

  Deshalb hier und in aller Form:

  Waldemar Rösler, die letzten vier Monate sah ich dich und deine Schulter in falschem Licht! Es war nicht die Schulter eines bildungslosen Losers, das Armbefestigungsgestänge eines Titel-Trägers aus DDR-Zeiten, der sich heute im Dschungel des kapitalistischen Technik-Alltags nicht mehr bewährt, nein: Es war und ist die Schulter eines ganz Großen der Szene. Der Diagnose-Szene. Der Ingenieurs-Szene. Der Intellektuellen-Innung. Die Schulter eines Allwissenden. Eines Kabel-Innenleben-Kenners. Eines Kabelators. Eines Kabel-Jaus! Einer Heidi K.!!

  Ich rufe es der ganzen Welt, ja Europa, ganz Deutschland in den Grenzen von 2006 sowie Sachsen in den Grenzen des geistigen Horizonts seiner Bewohner und Leipzig in den Grenzen von Egon Grenz zu:

 MEIN FREUND IST INGENIEUR!!!!!

 Ab morgen nenne ich ihn Heidi!

 Auto-gen grüßt 

Jürgen

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