11.August 2006


Selber schult(er)!

Liebe Lesende, lieber Lesender,

  seit ein paar Tagen bin ich regelrecht nervös. Und verunsichert. Obwohl ich ausreichend versichert bin. – Wofür zahlt man denn dann eigentlich? (Hier war sie, die sonst in der deutschen Literatur so seltene „Denn-dann-Kombination“! Habt ihr sie registriert und, vor allem, genossen, Genossen?)

  Doch nicht abschweifen, Jürgen, sondern zur Sache kommen. Und die ist die: Am morgigen Tag steht vielleicht unsere allerallerletzte Mugge an. Und dann nie wieder „MelanKomiker“? – Wer weiß…

 Alles hängt damit zusammen, daß Waldi nächste Woche die Schulter abgenommen wird. So jedenfalls habe ich ihn verstanden. Er muß für ´nen Eingriff (Den gibt’s sonst nur bei Feinripphosen, und auch da fragt man sich schon: Für wen? Wer möchte DA reingreifen???) ins Krankenhaus, weil die Schulter nicht mehr mitspielt. Obwohl sie ja morgen in Grimma noch mitspielen muß.

  Wie oft habe ich nach unseren Auftritten Frauen, Mädchen und vor allem Männer raunen hören: „Was für eine Schulter!“ Da wurde mir oft vor Neid ganz heiß, was ich mit einem Schultheiß bekämpfte…

   Das ist aber auch ein Schülterchen, das Herr Rösler da zu bieten hat. Chapeau, Waldemar! Ich selbst war gestern noch in einem Fleischerei-Fachgeschäft, um mir mal sowas von innen anzuschauen. Hört man doch oft: „Geb’n Se ma noch ä scheenes Stigg von dr Schulder mid!“

 Und was soll ich sagen: Bei meiner Trichinen-Beschau befiehl mich ein Sehnen, denn derer gab es gar viele im Arm-Rumpf-Verbindungstrakt. Sehnsationell. So sieht also Herr Rösler von innen aus. Obenrum. Ich hatte es geahnt.

  Nun werde ich meinen heutigen freien Tag dazu nutzen, nochmals ein, zwei Stunden beim Metzger meiner Wahl zu verbringen, um die Sache en detail zu studieren. Anschließend bin ich dann ganz sicher (und ich glaube, hier schmeichele ich mir nicht), die Operation an Herrn Rösler selbst ausführen zu können. Was das dem Gesundheitswesen wieder sparen wird! Ob mich Frau Schmidt dann adoptiert? Oder Frau Rösler? Können Adoptiv-Eltern eigentlich jünger sein als deren Kinder? Geht das?

 „NEIN!“ ruft in diesem Moment meine Mutti, und auch mein Vati schüttelt lauthals den Kopf, denn: „Du hast doch schon Eltern!“ Und mehr als zwei gibt’s nicht. So steht es im Gesetz. In Murphys.

  Doch zurück zur Schulter des Anstoßes. Hoffentlich gibt es morgen nach der Veranstaltung keinen Dopingtest, denn ich bin nicht gewillt, mein „Gelbes Trikot“ für den „Besten Bühnenarbeiter“ wieder abzugeben, nur weil Herr Rösler unter Drogen stand. Die Ausrede, es seien Schmerztabletten, nimmt ihm eh keiner ab, der gesehen hat, wie glücklich er immer guckt, wenn er auch nur Minuten seines Tages mit mir verbringen darf… Und da kann ich ihn, ausnahmsweise, mal verstehen.

  Wie dem auch sei, nächste Woche wird operiert. Sollte von euch noch jemand ein altes OP-Besteck übrig haben, würde ich mich über eine Spende desselben an mich freuen. So’n bissel Rost stört mich nicht. Und Waldi wird ja vorher von mir persönlich narkotisiert. – Ich glaube sogar, daß das der schönste Moment der OP wird. Für mich!

  Und mal ehrlich, Herr Rösler, sollte beim Eingriff durch mich etwas schiefgehen: Selber schult(er)! – Ich lerne ja noch. Und guten Willen habe ich auf alle Fälle dabei.

 Obwohl: So’n klitzekleiner Kunstfehler, und ich könnte behaupten, daß die wunderhübsche Melodie, die Herr Rösler in dieser Woche für meinen nicht minder wundervollen Text namens „Catherine“ aus seinem Gehirn wrang, von mir sei. Ich – ein Hitkomponist! Na, da würde ich aber breitschultrig durchs Land bennyren (Achtung, neues Verb: „bennyren“ – seltsame Gangart [Schritt, Schritt, Doppelschritt], angelehnt an Benny von der „Olsenbande“)…

  Doch Einhalt, wilde Phantasie, jetzt mal im Ernst: „Wird schon gutgehen, Waldi, alter Junge!“ Und sollte eventuell zu deinem OP-Termin irgendeine, und wenn ich schreibe, „irgendeine“, dann meine ich auch „irgendeine“, Frau bereit sein, sich mit mir auf ein leckeres Braten-Essen (ein Stück aus der Schulter) zu treffen, dann bin ich sogar bereit, vielleicht doch ´nen Arzt an meinen Freund ran zu lassen. Natürlich erkläre ich dem Herrn Doktor vorher, wie’s geht.

  Und wenn dann doch noch was passiert, hat ja der Herrgott auch vorgesorgt, indem er Herrn Rösler zwei Schultern gab… Eine abbe Schulter, was ist das schon? – Gut, die beiden Arme muß er dann auf einer einzigen Seite tragen, denn er benötigt ja beide, um zu musizieren. Aber vielleicht steigert gerade dieses Entstellt-Sein unseren Marktwert?????  Also ich freu mich drauf!

  In diesem Sinne morgen in Grimma also letztmalig die „MelanKomiker“ als vierblättrige Schulter-Combo. Daß „Combo“ mal der Name eines kakaohaltigen „Kaba“-Ersatzes in der DDR war, sei hier nur kurz eingefügt: Man konnte das Pulver löffelweise in kalte oder warme Milch geben, einmal umrühren – und schon klumpte es. Ein Teufelszeug! Aber für Klumpen-Fetischisten ein MUSS!

  Über den Fortgang von Herrn Röslers Heilungsprozeß werde ich dann wohl täglich, vielleicht aber auch stündlich, hier in einem Bulletin berichten.

 Und sollte wirklich was schiefgehen: Vom Bulletin zur Bulette ist es nur ein kurzer Schritt. Achtet also in der nächsten Woche beim Metzger eures Vertrauens auf die Angebote. „Schulterbulette – 9,99 € das Kilogramm“, da würde ich zugreifen.

Oder warten, bis ein fairer Preis verlangt wird…

  In diesem Sinne „Guten Appetit!“ und einen herzlichen Gruß an Waldi von

Jürgen

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